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23.06.2014

Franz Jägerstätter: “Von jetzt an Seliger genannt“

Rückkehr zur alten Tradition: Franz Jägerstätter wird in Heimatsdiözese seliggesprochen.

Mit einem dreifachen “Deo gratias“ (Dank sei Gott) wird das Volk im Linzer Dom auf die Verlesung des Dekrets zur Seligsprechung antworten. In dem Dekret heißt es, es werde hiermit die Erlaubnis erteilt, “dass der ehrwürdige Diener Franz Jägerstätter von jetzt an Seliger genannt wird“. Kardinal José Saraiva Martins, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan, wird das Dekret als Vertreter des Papstes verlesen. Danach wird ein großes Bild von Franz Jägerstätter enthüllt.

 

Ortskirchen werden stärker einbezogen

Dass Seligsprechungen in der Regel nicht in Rom stattfinden, ist erst seit 2005 wieder so geregelt. Dadurch soll der Unterschied zu Heiligsprechungen deutlich werden, wie die zuständige Kongregation in einem entsprechenden Dokument betont. Selige werden eher lokal, Heilige gesamtkirchlich verehrt. Außerdem wollte Papst Benedikt damit herausstellen, dass die Ortskirchen “sichtbarer in die Zeremonien zur Seligsprechung der jeweiligen Diener Gottes einbezogen“ werden.

Diese “Neuerung“ bedeutet eine Rückkehr zu alter Tradition: Erst seit 1971 stand der Papst selbst dem Seligsprechungsritus vor. Die heilige Messe zelebrierte jedoch meist der Diözesanbischof des neuen Seligen. Ab 1975 wurde es üblich, dass der Papst auch Hauptzelebrant der heiligen Messe war.

Im ersten Jahrtausend wurde die Verehrung der Märtyrer und dann der Bekenner überhaupt von den Teilkirchen selbst geregelt. Erst ab dem 11. Jh. schaltete sich Rom ein. Wurden die Titel “Heiliger“ und “Seliger“ bis ins 14. Jh. unterschiedslos angewandt, setzte sich dann durch, dass Seligen ein lokaler Kult gilt, Heiligen die liturgische Verehrung in der Gesamtkirche.

Warum eine Seligsprechung grundsätzlich innerhalb einer Eucharistiefeier stattfindet, erklärt P. Ewald Volgger OT, Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz: “Selige oder Heilige kann man nicht ,machen‘, sondern wir dürfen Gott danken, dass er uns Menschen wie Franz Jägerstätter als Glaubenszeugen schenkt“, so Volgger zur Linzer Kirchenzeitung.

 

Reliquien des Seligen

Nach der Verlesung des Dekrets durch Kardinal Martins und der Enthüllung des drei mal drei Meter großen Bildes von Jägerstätter, wird das Reliquiar zum Altar gebracht: Personen, die mit dem neuen Seligen in enger Beziehung stehen, werden daran beteiligt sein – an ihrer Spitze die Witwe des Seligen, Franziska Jägerstätter. Das Reliquiar enthält eine Knochenreliquie des Seligen und eine schriftliche Aufzeichnung Jägerstätters: Darin beschreibt er seinen Traum vom Jänner 1938, in dem er vor den Schrecken des Nazionalsozialismus gewarnt wurde .

 

Unbeirrbare Treue zu Gott

Grundlegend für die Haltung von Franz Jägerstätter ist die unbedingte Bereitschaft, Gott zu dienen. Die Treue zu Gott ist ihm kostbarer als alles, selbst das eigene Leben. Es geht in seinem Leben um die alte und immer neue Wahl zwischen den zwei Wegen, um die Entscheidung für den einen oder den anderen Herrn. Diese Wahl ist zuerst im eigenen Herzen zu treffen.

Man kann nur staunen, mit welcher Sicherheit dieser einfache Mann die geistige und auch politische Situation seiner Zeit erfasste, Lüge von Wahrheit unterschied, und selbst Priestern und seinem Linzer Bischof gegenüber bestimmt und demütig seinen Weg begründete, ohne je die Hierarchie oder die den Kriegsdienst leistende Katholiken zu verurteilen.
Jägerstätter weiß, dass seine Einsicht Gnade ist, und auch, dass Gott ihm die Gnade und die Kraft verliehen hat, für seinen Glauben zu sterben.


Christoph Kardinal Schönborn

 


 

Der Gedenktag des neuen Seligen ...

... ist der 21. Mai, der Tauftag Franz Jägerstätters.

Die Schrifttexte die Messfeier zum Gedenktag:
Röm 8,31b-39; Mt 5,1-12a.
Auch in die Feier des Stundengebets (Lesehore) wird ein Text des Märtyrers aufgenommen: ein Brief aus dem Gefängnis (GBA* 75ff.).

*) Putz Erna, Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen, Linz 1987.