Klassisch weiß, Bernstein rot, aus glänzendem Metall, nach Rosen duftend oder ganz aus Edelsteinen gefertigt: Über 200 Variationen von Rosenkränzen gehören zum Sortiment von Kazimierz Kuczynski, Rosenkranzfabrikant im polnischen Tschenstochau. Die Firma „Sacrum“ des 54-jährigen Polen fertigt 4.000 Rosenkränze pro Woche und zählt damit zu den größten Produzenten in Polen.
„Wöchentlich liefern meine Beschäftigten die fertigen Rosenkränze ab und nehmen neue Bausätze mit“, erklärt Kuczynski die Produktionsweise. Das Zusammensetzen der Perlen mittels Draht zu einem „Rozaniec“, wie der Rosenkranz auf Polnisch heißt, erledigen die etwa 30 Angestellten zuhause. Sehr häufig sind es Rentnerinnen, die mit Zange und Draht die Perlen jeweils verknoten und damit ihre Pension aufbessern. Bei dem Zusammenfügen der winzigen Perlen – jede steht für ein Ave-Maria – ist Fingerspitzengefühl gefragt. Für Kuczynski Grund genug, auf Frauen zu setzen: „Männer sind ungeduldiger, Frauen gehen behutsamer an präzise Arbeiten“, so seine Erfahrung. Er selbst regelt von seiner vier mal vier Meter kleinen, unscheinbaren Zentrale mitten in einer Plattenbausiedlung die Produktion: Auftragsannahme, Kontakt mit Zulieferern und Betreuung der Mitarbeiter.
Kuczynski arbeitet seit der Wende in der Devotionalienbranche, davor war er Chemie- und Physiklehrer. Bereits Großmutter und Mutter haben für die beiden im kommunistischen Polen zugelassenen Hersteller Rosenkränze zusammengesteckt. Nach der Wende waren Kirche, Glauben und die Devotionalienherstellung in Polen nicht mehr vom Staat kontrolliert. Tschenstochau wurde zur Hochburg der Frömmigkeitsgegenstände: „Hier leben seitdem bestimmt mehrere Tausend Menschen von Devotionalienhandel- und Herstellung“, schätzt Kuczynski. Denn Millionen Menschen pilgern jährlich nach Tschenstochau und sind für die Händler eine „Goldgrube“. Die Stadt an der Warthe gilt als Polens religiöse Hauptstadt. Im Kloster auf der „Jasna Gora“, dem hellen Berg, steht das berühmte Bild der schwarzen Madonna, das Nationalsymbol Polens.
Nicht nur Tschenstochau-Pilger kaufen. Die Hälfte seiner Produktion verkauft er ins Ausland. Selbst Gläubige in Übersee haben „Rozance“ aus Tschenstochau. Das Hauptexportland ist Italien. Dort sei wegen der vielen Pilgerströme zur Residenz von Johannes Paul II. eine große Kaufkraft gewesen. „Die Italiener behaupten zwar, sie produzieren die meisten Rosenkränze, ich glaube aber wir Polen machen mehr“, behauptet Kuczynski. Eine seiner Anekdoten dazu: Auf seine vorgefertigten „Rozance“ werden in Italien Kreuze mit der Aufschrift „Made in Italy“ montiert. Solche Rosenkränze meint er oft bei polnischen Pilgern als Andenken aus Rom gesehen haben.
„Rosenkranz beten ist tatsächlich nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten“, schrieb Papst Johannes Paul II. 2002 in einem Apostolischen Schreiben. Für den verstorbenen Papst war der Rosenkranz eines seiner Lieblingsgebete. „Er ist ein wunderbares Gebet, wunderbar in seiner Schlichtheit und seiner Tiefe“, sagte Johannes Paul II. kurz nach seiner Wahl. Aber nicht erst Johannes Paul II. hat dem Rosenkranz große Bedeutung zugemessen. Einer seiner Vorgänger, Papst Leo XIII., veröffentlichte 1883 eine Enzyklika, die den Rosenkranz als wirksames geistiges Mittel angesichts der Übel der Gesellschaft darstellte.
Die Steinchen, aus denen die Firma „Sacrum“ Rosenkränze zusammensetzt, reichen vom herkömmlichen Plastik bis zu kostbaren Edelsteinen. Rosenkränze aus nahezu allen wertvollen Materialien sind lieferbar. Polnische Geistliche haben Sonderwünsche, weiß Kuczynski. Anhand der Bestellungen kann Kuczynski nationale Vorlieben bei Farbe und Material feststellen. Während Polen ein Papstkreuz an ihrem „Rozance“ haben möchten, verkaufen sich solche Gebetsketten in Deutschland nur mäßig. Den Deutschen gefallen eher hochwertige Bernstein-Rosenkränze, so seine Erfahrung. Besonders stolz ist er auf eine prominente Rosenkranz-Besitzerin, Polens ehemalige „First Lady“ Jolanta Kwasniewska: In ihren Rosenkranz ließ sie winzige Juwelen einarbeiten.