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06.11.2005

„Rozance" in allen Variationen

4.000 Ro­sen­krän­ze pro­du­ziert die Fir­ma Sa­crum im pol­ni­schen Wall­fahrts­ort Tschen­sto­chau pro Wo­che.

Klas­sisch weiß, Bern­stein rot, aus glän­zen­dem Me­tall, nach Ro­sen duf­tend oder ganz aus Edel­stei­nen ge­fer­tigt: Über 200 Va­ria­tio­nen von Ro­sen­krän­zen ge­hö­ren zum Sor­ti­ment von Ka­zi­mierz Kuc­zyn­ski, Ro­sen­kranz­fab­ri­kant im pol­ni­schen Tschen­sto­chau. Die Fir­ma „Sa­crum“ des 54-jäh­ri­gen Po­len fer­tigt 4.000 Ro­sen­krän­ze pro Wo­che und zählt da­mit zu den größ­ten Pro­du­zen­ten in Po­len.


„Wö­chent­lich lie­fern mei­ne Be­schäf­tig­ten die fer­ti­gen Ro­sen­krän­ze ab und neh­men neue Bau­sät­ze mit“, er­klärt Kuc­zyn­ski die Pro­duk­ti­ons­wei­se. Das Zu­sam­men­set­zen der Per­len mit­tels Draht zu ei­nem „Ro­za­niec“, wie der Ro­sen­kranz auf Pol­nisch heißt, er­le­di­gen die et­wa 30 An­ge­stell­ten zu­hau­se. Sehr häu­fig sind es Rent­ne­rin­nen, die mit Zan­ge und Draht die Per­len je­weils ver­kno­ten und da­mit ih­re Pen­si­on auf­bes­sern. Bei dem Zu­sam­men­fü­gen der win­zi­gen Per­len – je­de steht für ein Ave-Ma­ria – ist Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ge­fragt. Für Kuc­zyn­ski Grund ge­nug, auf Frau­en zu setzen: „Män­ner sind un­ge­dul­di­ger, Frau­en ge­hen be­hut­sa­mer an prä­zi­se Ar­bei­ten“, so sei­ne Er­fah­rung. Er selbst re­gelt von sei­ner vier mal vier Me­ter klei­nen, un­schein­ba­ren Zent­ra­le mit­ten in ei­ner Plat­ten­bau­sied­lung die Pro­duk­ti­on: Auf­trags­an­nah­me, Kon­takt mit Zu­lie­fe­rern und Be­treu­ung der Mit­ar­bei­ter.


Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on

Kuc­zyn­ski ar­bei­tet seit der Wen­de in der De­vo­tio­na­lien­bran­che, da­vor war er Che­mie- und Phy­sik­leh­rer. Be­reits Großmutter und Mut­ter ha­ben für die bei­den im kom­mu­nis­ti­schen Po­len zu­ge­las­se­nen Her­stel­ler Ro­sen­krän­ze zu­sam­men­ge­steckt. Nach der Wen­de wa­ren Kir­che, Glau­ben und die De­vo­tio­na­lien­her­stel­lung in Po­len nicht mehr vom Staat kon­trol­liert. Tschen­sto­chau wur­de zur Hoch­burg der Fröm­mig­keits­ge­gen­stän­de: „Hier le­ben seit­dem be­stimmt meh­re­re Tau­send Men­schen von De­vo­tio­na­lien­han­del- und Her­stel­lung“, schätzt Kuc­zyn­ski. Denn Mil­lio­nen Men­schen pil­gern jähr­lich nach Tschen­sto­chau und sind für die Händ­ler ei­ne „Gold­gru­be“. Die Stadt an der War­the gilt als Po­lens re­li­giö­se Haupt­stadt. Im Klos­ter auf der „Jas­na Go­ra“, dem hel­len Berg, steht das be­rühm­te Bild der schwar­zen Ma­don­na, das Na­tio­nal­sym­bol Po­lens.


Ex­port­schla­ger

Nicht nur Tschen­sto­chau-Pil­ger kau­fen. Die Hälf­te sei­ner Pro­duk­ti­on ver­kauft er ins Aus­land. Selbst Gläu­bi­ge in Über­see ha­ben „Ro­zan­ce“ aus Tschen­sto­chau. Das Haupt­ex­port­land ist Ita­li­en. Dort sei we­gen der vie­len Pil­ger­strö­me zur Re­si­denz von Jo­han­nes Paul II. ei­ne gro­ße Kauf­kraft gewesen. „Die Ita­lie­ner be­haup­ten zwar, sie pro­du­zie­ren die meis­ten Ro­sen­krän­ze, ich glau­be aber wir Po­len ma­chen mehr“, be­haup­tet Kuc­zyn­ski. Ei­ne sei­ner Anek­do­ten da­zu: Auf sei­ne vor­ge­fer­tig­ten „Ro­zan­ce“ wer­den in Ita­li­en Kreu­ze mit der Auf­schrift „Ma­de in Ita­ly“ mon­tiert. Sol­che Ro­sen­krän­ze meint er oft bei pol­ni­schen Pil­gern als An­den­ken aus Rom ge­se­hen ha­ben.


Pro­mi­nen­te Be­sit­zer

„Ro­sen­kranz be­ten ist tat­säch­lich nichts an­de­res, als mit Ma­ria das Ant­litz Chris­ti zu be­trach­ten“, schrieb Papst Jo­han­nes Paul II. 2002 in ei­nem Apos­to­li­schen Schrei­ben. Für den ver­stor­be­nen Papst war der Ro­sen­kranz ei­nes sei­ner Lieb­lings­ge­be­te. „Er ist ein wun­der­ba­res Ge­bet, wun­der­bar in sei­ner Schlicht­heit und sei­ner Tie­fe“, sag­te Jo­han­nes Paul II. kurz nach sei­ner Wahl. Aber nicht erst Jo­han­nes Paul II. hat dem Ro­sen­kranz gro­ße Be­deu­tung zu­ge­mes­sen. Ei­ner sei­ner Vor­gän­ger, Papst Leo XI­II., ver­öf­fent­lich­te 1883 ei­ne En­zyk­li­ka, die den Ro­sen­kranz als wirk­sa­mes geis­ti­ges Mit­tel an­ge­sichts der Übel der Ge­sell­schaft dar­stell­te.


Plas­tik oder Edel­stein

Die Stein­chen, aus de­nen die Fir­ma „Sa­crum“ Ro­sen­krän­ze zu­sam­men­setzt, rei­chen vom her­kömm­li­chen Plas­tik bis zu kost­ba­ren Edel­stei­nen. Ro­sen­krän­ze aus na­he­zu al­len wert­vol­len Ma­te­ria­li­en sind lie­fer­bar. Pol­ni­sche Geist­li­che ha­ben Son­der­wün­sche, weiß Kuc­zyn­ski. An­hand der Be­stel­lun­gen kann Kuc­zyn­ski na­tio­na­le Vor­lie­ben bei Far­be und Ma­te­ri­al fest­stel­len. Wäh­rend Po­len ein Papst­kreuz an ih­rem „Ro­zan­ce“ ha­ben möch­ten, ver­kau­fen sich sol­che Ge­bets­ket­ten in Deutsch­land nur mä­ßig. Den Deut­schen ge­fal­len eher hoch­wer­ti­ge Bern­stein-Ro­sen­krän­ze, so sei­ne Er­fah­rung. Be­son­ders stolz ist er auf ei­ne pro­mi­nen­te Ro­sen­kranz-Be­sit­ze­rin, Po­lens ehe­ma­li­ge „First La­dy“ Jo­lan­ta Kwas­niew­ska: In ih­ren Ro­sen­kranz ließ sie win­zi­ge Ju­we­len ein­ar­bei­ten.