Der deutsche Theologe Michael Theobald weist Vorwürfe zurück, wonach die Einheitsübersetzung der Bibel von 2016 antisemitischer klingt als der griechische Urtext. Der pauschale Vorwurf einer judenfeindlichen Einstellung sei nicht gerechtfertigt, schreibt der emeritierte Tübinger Theologe in einem Beitrag für die August-Ausgabe der "Herder Korrespondenz". Auch wenn weiter Verbesserungsbedarf bestehe, habe die neue, revidierte Übersetzung vielfach judenfeindliche Verzerrungen korrigiert.
Der Wiener evangelische Theologe Hans Förster hatte die Neuübersetzung im Frühjahr ebenfalls in der "Herder Korrespondenz" als verfälschend und judenfeindlich kritisiert. Er begründete das mit Beispielen aus dem Matthäus- und dem Johannesevangelium sowie Texten des Apostels Paulus.
Aus Theobalds Sicht sind Försters Beispiele "zumeist nicht stichhaltig". Auch würden manche Übersetzungsvorschläge Försters dem Inhalt nicht gerecht. In der Einheitsübersetzung heißt es etwa im Matthäusevangelium: "Die Pharisäer aber gingen hinaus und fassten den Beschluss, Jesus umzubringen." Förster übersetzt das: "Die Pharisäer berieten, wie sie Jesus loswürden". Förster verharmlose gutmeinend den Text, so Theobald.
Anstatt einzelne Stellen des Neuen Testaments "zu isolieren und zu glätten", sollte erklärt werden, wie mit solchen Aussagen heutzutage umzugehen sei, schreibt Theobald. Kritische und verallgemeinernde Aussagen sollten nicht "weginterpretiert" werden, sondern kommentiert.
An der Neuübersetzung kritisiert Theobald allerdings, dass der Titel Messias meist gegen Christus ausgetauscht wurde. "Der jüdische Horizont ist damit ausgeblendet und die jüdische Messiaserwartung 'christologisiert'", schreibt der Theologe.