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05.09.2019

Alleine zu leben, kann auch eine Berufung sein

Als Mitglied eines Säkularinstituts will Maria Christine blühen, dort, wo sie lebt.

 

Dass Maria Christine Hochleitner ein gottgeweihtes Leben führt, ist von außen nicht sichtbar. Sie trägt keinen Habit, lebt nicht im Kloster und wird nicht mit ‚Schwester‘ angesprochen. Bis zu ihrer Pensionierung vor einem Jahr arbeitete Maria Christine als Lehrerin. Nicht einmal ihr damaliger Chef wusste, dass sie als Mitglied des internationalen Säkularinstitutes ‚Madonna della Strada‘ auf Lebenszeit Keuschheit, Gehorsam und Armut versprochen hat.

 

„Erst als ich zur Generalleiterin von ‚Madonna della Strada‘ gewählt wurde, habe ich es meinem Chef gesagt“, erzählt die 63-Jährige Niederösterreicherin. Seit sieben Jahren leitet Maria Christine ‚Madonna della Strada‘, deren Mitglieder unverheiratete Frauen sind, die ihren Beruf als Berufung sehen und nach den evangelischen Räten – Keuschheit, Gehorsam und Armut – leben. „Wir hängen das nicht an die große Glocke. Die Menschen sollen es an unseren Werken erkennen“, erklärt Maria Christine.


Innere Reife vorausgesetzt

So wie die anderen rund hundert Mitglieder weltweit lebt auch Maria Christine allein. „Eigenverantwortlich diesen Weg zu gehen ist eine Berufung, die eine große innere Reife voraussetzt. Dort, wo jede lebt, muss sie ihr geistliches Leben, also Gebet, Gottesdienst, Apostolat, mit dem Alltag verbinden.“

 

Das kann eine große Herausforderung sein, aber auch ein Geschenk. „Ich muss fähig sein, im Nächsten den zu sehen, zu dem Gott mich hinstellt. Dort, wo man lebt, soll man blühen, das heißt sein je eigenes, von Gott geschenktes Charisma verwirklichen.“

 

Blühen kann man auf die unterschiedlichsten Arten, findet Maria Christine. Sei es durch die geistliche Begleitung von Menschen oder mitten im Alltag. „Ich habe zum Beispiel in meinem Garten viel Obst. Das klaube ich zusammen und stelle es an den Straßenrand. Wer will, nimmt sich etwas.“


Auch für Frauen ab der Lebensmitte

Es liegt im Wesen ihrer Berufung im Säkularinstitut, dass sie ihre Lebensform nicht offensiv nach außen trägt, sagt Maria Christine. „Bei den ersten Mitgliedern – die Gründung des Institutes 1936 fällt in die Kriegszeit – haben es manchmal nicht einmal die Familienmitglieder gewusst, dass sie zum Säkularinstitut gehören.“

 

Gleichzeitig bedauert Maria Christine, dass so wenige Frauen von dieser Möglichkeit, ein gottgeweihtes Leben zu führen, wissen. Sie ist sich sicher, dass es viele Frauen gibt, die eine Berufung zu diesem Leben hätten. „Es wäre auch für Frauen in der Lebensmitte ein Weg. Auch für geschiedene Frauen wäre es möglich, wenn der Mann sein Einverständnis gibt.“


Lange Zeit gesucht

Marie Christine lernt das Säkularinstitut Mitte dreißig kennen und weiß sofort, dass das es ihr Weg ist. „Ich habe lange Zeit gesucht und dann habe ich es endlich gefunden. Ich wusste: Egal, was kommt, da gehöre ich dazu.“

 

Zwei Frauen sprechen sie damals unabhängig voneinander an, und machen sie auf diese Form des Lebens aufmerksam. Maria Christine ist ihnen immens dankbar dafür. Sie ist überzeugt davon, dass es dieses ‚Aufeinander-schauen‘ braucht und dass ein Leben zur größeren Ehre Gottes ein sehr erfülltes Leben sein kann.