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24.09.2019

Mit „Bio-Kistln“ die Welt verändern

Der Trend zur biologischen Landwirtschaft hält weiter an. Der Grund dafür sind zunehmend kritischere Konsumenten und engagierte Bauern, die mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Österreich ist im internationalen Vergleich ein Vorzeigeland bei der biologischen Landwirtschaft. Rund 25 Prozent aller landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Bio-Flächen. Tendenz stark steigend. Bereits jeder fünfte Landwirtschaftsbetrieb in Österreich ist mittlerweile ein biologischer. Das ist historisches Rekordniveau!
Doch das war nicht immer so.

 

Als nämlich Gerhard und Sigrid Zoubek im Jahr 1997 anfingen, in Glinzendorf in Niederösterreich neue Weg zu gehen, mussten sie gegen sehr viele Vorurteile kämpfen. Gemeinsam mit einem Wissenschaftler, der für seine Doktorarbeit die Auswirkungen von biologischer Landwirtschaft erforschen wollte, pflanzten sie rund 60 verschiedene Kürbis-Gewächse: „Auf rund 2.000 Quadratmetern haben wir die Kürbisse im Frühjahr eingesetzt und haben sie biologisch gezogen.

 

Wir wollten schauen, was passiert und wie sich das Bodenleben entwickelt, wenn man nicht spritzt. Wir haben dann wunderschöne Kürbisse geerntet und hatten eine unglaubliche Freude. Wir haben gesehen – es geht! Sie können sich aber vorstellen, dass es am Anfang auch negative Reaktionen gab. So hatten unsere Nachbarn Angst, dass wir unsere und ihre Felder mit Unkraut verseuchen würden.“


Die Kürbisse waren der Anfang

Dieser Moment war der Schlüsselmoment im Leben von Gerhard und Sigrid Zoubek. Obwohl beide keine landwirtschaftliche Ausbildung hatten – oder vielleicht gerade deshalb – haben sie nach dieser Kürbisernte beschlossen, gegen den damaligen Trend zu schwimmen und generell auf biologische Landwirtschaft zu setzen:

 

„Wir haben schrittweise unsere 70 Hektar Grund, die wir von den Eltern bekommen haben, komplett auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Wir haben Kräuter und alte Getreidesorten angebaut und wir haben uns eine Ölpresse gekauft. Damit haben wir recht bald Sonnenblumenöl hergestellt und auch sonst unsere Bio-Produkte angefangen zu verkaufen.

 

In einer Zeitung der Umweltberatung ist uns dann der Name Adamah aufgefallen, der aus der Genesis in der Bibel stammt. Und die Vorstellung von Adam, also dem Menschen aus dem Ackerboden, hat uns sehr angesprochen. Die Beziehung zwischen Mensch und Boden – genau darum geht es uns in allem, was wir tun.“


Wir alle stehen in der Verantwortung

Nach einer ereignisreichen Startphase stellt sich bei der Familie Zoubek eine Erfolgsgeschichte ein, die sich bis heute fortsetzt. Mittlerweile beschäftigt der Adamah BioHof in der Hochsaison bis zu 130 Arbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber der Region.

 

Er beliefert Schulen, Kindergärten und knapp 30.000 weitere Kunden im Umkreis von ca. 150 Kilometern. Außerdem sollen durch Feldführungen, Pflanzenmärkte, Feste und Vernetzungstreffen Impulse für Bio-Landwirtschaft gesetzt werden: „Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst. Gerade als Pioniere möchten wir unser Wissen gerne weitergeben.

 

Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ möchten wir zeigen, dass es nicht genügt, die Verantwortung auf andere zu schieben, sondern dass jeder Einzelne von uns etwas aktiv tun muss und auch tun kann. Entweder mit dem Stückchen Erde, das einem als Landwirt anvertraut ist, oder als Konsument mit unserem Kaufverhalten. Wenn uns gelingt, dieses Bewusstsein an unsere Kinder und Enkelkinder weiterzugeben, dann haben wir viel geschafft.“


Wie teuer darf Bio sein?

Über die Tatsache, dass Produkte aus biologischer Landwirtschaft teurer sind als herkömmliche Produkte, sagt Familie Zoubek: „Bio ist nicht teurer, sondern die konventionellen industriell hergestellten Produkte sind zu günstig.

 

Denn wir leben in einer Welt, in der Verursacher nicht für den Schaden zahlen müssen, den sie der Umwelt antun, wenn sie die natürlichen Ressourcen in Hinblick auf niedere Preise ausbeuten.

 

Wir brauchen definitiv mehr Preisklarheit und Preiswahrheit. Denn was nichts kostet, ist nichts wert. Das gilt gerade für die Bio-Landwirtschaft, die in Einklang mit Umwelt und Ressourcen arbeitet.“


Konsumenten machen Mut

Gerhard und Sigrid Zoubek blicken nach 40 Jahren gemeinsamer Ehe und nach mehr als 20 Jahren Pionierarbeit in der Landwirtschaft positiv nach vorne. Auf ihrem Biohof steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern: „Es ist nun an der Zeit, unseren Kindern die Verantwortung zu übergeben. Und wir können uns da wirklich zurücklegen, denn unsere Kinder leben - so wie wir auch – die biologische Landwirtschaft von ganzem Herzen.“


Und auch unabhängig von den eigenen Kindern könne man hoffnungsvoll in die Zukunft blicken: „Uns inspiriert vor allem die Jugend von heute. So viele junge Menschen leben wieder sehr bewusst und in Einklang mit der Umwelt. Außerdem stellen wir generell fest, dass die Menschen wieder viel mehr nachdenken.

 

So gibt es wieder das Bewusstsein, dass eine Karotte auch mal krumm sein kann und dass ein Apfel mit einem Schorf mindestens genauso gut schmeckt wie ein auf Hochglanz polierter Standardapfel.

 

Der Yuppie-Trend, der alles nur nach Optik und Aussehen bewertet, wird von immer mehr Konsumenten kritisch hinterfragt. Und das ist gut so!“