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10.10.2019

Religionslehrer am Puls der Zeit

Religionsunterricht zwischen Herausforderungen und Chancen

 

 

Wir sind auf eurer Seite, wir stärken euch. Und wir sind euch unglaublich dankbar für den Dienst, den ihr in der Kirche leistet!“ Das ist die zentrale Botschaft von Andrea Pinz an die knapp 1.500 Religionslehrerinnen und Religionslehrer der Erzdiözese Wien.

 

Pinz leitet das Erzbischöfliche Amt für Schule und Bildung und koordiniert und organisiert mit ihrem Team den ReligionslehrerInnen-Tag am 10. Oktober, zu dem mehr als 400 Religionslehrer erwartet werden.

 

„Die Veranstaltung ermöglicht eine Begegnung der Lehrenden mit der Diözesanleitung und mit den Vertreterinnen und Vertretern des Schulamtes. Wir möchten damit ein Zeichen der Wertschätzung setzen, das zeigt, dass die Arbeit unserer Religionslehrerinnen und Religionslehrer für Kirche und Gesellschaft in ihrem unschätzbaren Wert wahrgenommen wird“, erklärt die Schulamts-Leiterin.

 

Inspiriert wird sie dabei von den Erfahrungswerten des großen Religionslehrertages im vergangenen Jahr, der knapp 1.500 Religionslehrer im Stephansdom versammelt hat.


Hohes Ansehen

„Heuer wird die Veranstaltung nicht ganz so groß wie im vergangenen Jahr“, erklärt Pinz, „aber es ist uns wichtig, dass wir auch heuer zusammenkommen, damit unsere Lehrerinnen und Lehrer wissen, dass sie von unseren gemeinsamen Wurzeln getragen werden.“

 

Das sei gerade deshalb wichtig, weil Religionslehrer nicht selten mit großen Herausforderungen im schulischen Alltag konfrontiert sind: „Die kirchliche Sozialisation der Kinder wird geringer. Dazu kommt, dass Religionsunterricht in einem Umfeld stattfindet, das immer pluraler und diverser in der Zusammensetzung wird.

 

15 Kirchen und Religionen bieten in den Schulen konfessionellen Religionsunterricht an. Das ist natürlich eine große organisatorische Herausforderung für die Schulleitungen und gleichzeitig auch für unsere Fach-
inspektorinnen und -inspektoren, die mit den Schulleitungen entsprechende individuelle Lösungen finden müssen“, konkretisiert Andrea Pinz: „Trotzdem kann ich aus Erfahrung sagen, dass Religionsunterricht und die Arbeit unserer Lehrer bei allen Schulpartnern sehr hohes Ansehen genießen.“


Weit mehr als 50 Minuten Unterricht

Gerade in diesem herausfordernden Umfeld des Schulalltages liegen laut Pinz auch große Chancen: „Religionsunterricht findet überall dort eine sehr hohe Anerkennung, wo er über die 50 Minuten in der Klasse hinauswirkt. Nämlich dort, wo er Schule im Gesamten mitgestaltet, etwa bei Schulfesten und Feiern, im Jahresablauf oder bei großen Fragen der Schulentwicklung.

 

Außerdem auch bei Schwerpunktthemen, die von großer gesellschaftlicher Relevanz sind. Ich denke da zum Beispiel an den Klimaschutz. Wir haben in der Erzdiözese Wien hunderte Schulen, die sich dem Pilgrim-Gedanken verschrieben haben und sich in unterschiedlichen Fächern mit dem Thema der Schöpfungsverantwortung auseinandersetzen – ausgehend vom Religionsunterricht.“


Kreative Ideen kommen gut an

Neben dem generellen Engagement des Religionsunterrichtes für den gesamten schulischen Alltag gibt es zahlreiche konkrete Projekte und Ideen, die innovativen Schwung in den Religionsunterricht bringen, etwa ein Gartenprojekt in der Volksschule in Mauerbach.

 

Pinz: „Hier wurde mit den Kindern im Unterricht nicht nur theoretisch über die Schöpfungsverantwortung gearbeitet, sondern anschließend in der konkreten Umsetzung ein ganzer Garten revitalisiert und gestaltet. Dadurch konnten die Schüler die Verantwortung für Wachstum auch aktiv wahrnehmen.“


Weitere Projekte, die derzeit sehr große Resonanz finden, sind Wallfahrten. So sind etwa im vorigen Juni im Südvikariat 1.800 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Religionslehrern und Priestern gepilgert. Für Andrea Pinz ist das ein „weithin sichtbares Zeichen für das Gelingen des Religionsunterrichtes, dass sich Pfarren und Schule gemeinsam verantwortlich fühlen“.

 

Handy-App fürs Klassenzimmer

Auch in Bezug auf die Einbindung von modernen Medien in den Religionsunterricht gibt es innovative Zugänge. So erfreut sich zum Beispiel eine Religions-App großer Beliebtheit, die das Schulamt der Erzdiözese Wien gemeinsam mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) entwickelt hat.

 

Diese Smartphone-App (Reli-Check) richtet sich an Kinder der vierten bis neunten Schulstufe und liefert mehr als 1.000 Quiz-Fragen u.a. zu den Themen Bibel, Weltreligionen und Ethik. „Diese App wird sehr gerne im Unterricht eingesetzt und wir haben zahlreiche Rückmeldungen, dass sie von den Kindern auch in ihrer Freizeit genutzt wird.

 

Das zeigt, dass wir uns innovativen Entwicklungen öffnen und gleichzeitig auch beim Einsatz von digitalen Medien den Fokus auf die Sinnhaftigkeit legen“, betont Andrea Pinz. (Hinweis: Die Reli-Check-App gibt es gratis für Android und iOS).


Ethik vs. Religionsunterricht

In der aktuellen Debatte über die Überführung des Schulversuchs Ethik in den Regelschulbetrieb sieht Andrea Pinz ebenfalls große Chancen. Ab dem Schuljahr 2020/21 sollen Schülerinnen und Schüler, die am konfessionellen Religionsunterricht nicht teilnehmen, stattdessen verpflichtenden Ethikunterricht haben.

 

„Erst vor Kurzem haben wir die Religionslehrinnen und -lehrer unserer Schulen, an denen es Ethikunterricht als Schulversuch gibt, zu uns eingeladen, um ein Stimmungsbild einzufangen. Und es zeigt sich, dass in einem ersten Schwung durch den Ethikunterricht auch der Religionsunterricht stark aufgewertet wird.

 

Und wir sehen, dass unsere Religionslehrerinnen und -lehrer sehr interessiert daran sind, die Ethikausbildung zu absolvieren“, berichtet Pinz über die bisherigen Erfahrungswerte.


Die zentrale Hauptaufgabe des konfessionellen Religionsunterrichtes bleibt laut Pinz auch künftig die selbe: „Religionsunterricht muss zeigen, dass die visionären Inhalte des Evangeliums mit dem Leben der Kinder korrespondieren.

 

Der Religionsunterricht muss es schaffen, Sinnangebote, Orientierungswissen und Handlungsoptionen zur Verfügung zu stellen, sodass junge Menschen ihr Leben sinnvoll gestalten- und Gesellschaft verantwortungsbewusst mitgestalten können. Und für diesen Dienst bin ich unseren Lehrerinnen und Lehrern ungemein dankbar.“