Dem Thema "Brückenbauer und Wegbereiter. Die Dominikaner an den Grenzen der katholischen Christenheit" widmet sich bis Samstag, 19. Oktober 2019 ein dreitägiges Symposion im Wiener Dominikanerkonvent. Im Gedenken an den Dominikaner und Kirchenhistoriker Pater Isnard Frank (1930-2010) haben der Dominikanerorden und das Institut für Historische Theologie der Universität Wien internationale Theologen und Ordensangehörige in die österreichische Hauptstadt geladen, die beim 4. Isnard-Wilhelm-Frank-Kolloquium über verschiedenste Aspekte und Persönlichkeiten aus der Geschichte des Dominikanerordens reflektieren.
In seiner Eröffnungsrede übertrug Provinzial Pater Thomas G. Brogl am Donnerstag, 17. Oktober 2019 das Thema des Kolloquiums auf die aktuelle gesellschaftliche Lage: "Wenn wir auf die Situation unserer heutigen Gesellschaft schauen, so scheint nicht das Bild der Brücke prägend, sondern das der 'klaren Kante': die Abgrenzung und die Betonung des jeweilig Eigenen. Wir leben in Zeiten der Polarisierung, der Betonung des Eigenen und der Suche einer klaren Identität: 'die' und 'wir'." Das In-Blick-Nehmen von Grenzen habe der Predigerorden als ein wesentliches Charakteristikum für sich selbst ausgemacht.
Pater Prior Günter Reitzi bezog sich in seinen Worten auf die Geschichte der Dominikaner in der Wiener Innenstadt: "Seit der Gründung steht das Haus an der Stadtmauer. Es war ein Eingangsbereich, für das, was in die Stadt gekommen ist. Dieses Haus hat immer schon eine Funktion des Brückenbauens gehabt."
Der Kirchen- und Ordenshistoriker Isnard Frank promovierte 1964 an der Universität Wien und er war von 1979 bis 1995 Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte und Religiöse Volkskunde am Fachbereich Katholische Theologie der Johannes-Guttenberg-Universität in Mainz. Er war unter anderem Herausgeber der "Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte" und Leiter des Instituts zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum. 1998 übersiedelte er in den Wiener Konvent, wo er bis zu seinem Tod am 13. Oktober 2010 lebte.