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07.11.2019

Kinder haben Rechte

Vor 30 Jahren, am 20. November 1989, verabschiedeten die Vereinten Nationen ihre Kinderrechtskonvention.

Zwei Jahre ist es her – da lenkte die Katholische Jungschar der Erzdiözese Wien mit einer ganz besonderen Aktion die Aufmerksamkeit auf das Thema Kinderrechte: In der Lugnercity, mitten im Einkaufstrubel, bauten sie ein Kinderzimmer auf und machten anhand dessen anschaulich und begreifbar, was ein Kind alles braucht, um einen „angemessenen Lebensstandard“ zu haben.

 

Neben Dingen, die eigentlich selbstverständlich scheinen, wie Kleidung, Schuhe und ein Bett, fanden sich in dem Zimmer etwa auch Spielsachen, denn beim Spielen geht es nicht nur um den Spaß, sondern auch um Entwicklung, um Förderung.

 

Und es fanden sich Symbole, die zeigen sollten, dass ein „angemessener Lebensstandard“ auch viel mit sozialer Teilhabe zu tun hat – etwa auf den Schulskikurs mitfahren oder ein Musikinstrument erlernen zu können.

 

Grundlage der Aktion war damals der Artikel 27 der Kinderrechtskonvention: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an.“  


Kinderrechte sind Menschenrechte

Insgesamt 54 Artikel listet die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen auf. 54 Artikel, die klar festhalten, dass Kinderrechte Menschenrechte sind. Rechte, die nicht verliehen werden, nicht verdient werden, sondern mit denen jedes Kind geboren wird.

 

„Die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention vor 30 Jahren am 20. November 1989 war ein Meilenstein in der Geschichte der Kinderrechte“, so Lisa Haber vom Österreichischen Komitee für UNICEF. Vieles habe sich seither getan: „Die Kinderrechte haben weltweit geholfen, das Leben von Kindern zu verbessern. Weniger Kinder müssen vor ihrem fünften Geburtstag sterben, weil es bessere Gesundheitsversorgung, Ernährung und Hygiene gibt.“

 

Es wurden bessere Gesetze eingeführt, um Kinder vor Gewalt oder Ausbeutung zu schützen und es gibt heute weniger Kinderarbeit. Auch die Meinung von Kindern wird stärker beachtet und sie haben mehr Möglichkeiten, ihre Anliegen auszudrücken.


„Durch die Kinderrechtskonvention erhielten die Kinder außerdem Rechte, die speziell für Kinder gelten und die bis dahin nirgends festgehalten worden waren, wie etwa das Recht auf elterliche Fürsorge, das Recht auf gewaltfreie Erziehung, das Recht auf Spiel und Freizeit, das Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit oder das Recht auf Beteiligung und Gehört-Werden – und zwar ganz unabhängig davon, welchen familiären, sozialen, kulturellen, ethnischen oder religiösen Hintergrund das Kind hat und wo es aufwächst.“

 

Die UN-Kinderrechtskonvention hob auch die Bedeutung von bereits verankerten Menschenrechten für Kinder hervor, wie etwa das Recht auf Meinungs- oder auf Versammlungsfreiheit. „Durch die Anerkennung der UN-Kinderrechtskonvention verpflichten sich Staaten das Wohl der Kinder stets vorrangig zu berücksichtigen“, so Lisa Haber.


Armut und Umweltschutz

Österreich hat die Kinderrechtskonvention Anfang der 90er Jahre ratifiziert, ein Teil der Kinderrechte ist seit 2011 auch in der Verfassung niedergeschrieben. „Das Bewusstsein, dass es Kinderrechte gibt und wie wichtig sie sind, ist in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen,“ sagt Veronika Schippani, Vorsitzende der Katholischen Jungschar der Erzdiözese Wien.

 

Das werde nicht nur im Gespräch mit Erwachsenen deutlich. „Auch die Kinder in unseren Jungschar- Gruppen haben oft in der Schule oder an anderer Stelle schon von Kinderrechten gehört.“  


Was die Umsetzung der Kinderrechte in Österreich betrifft, zieht Veronika Schippani eine gemischte Bilanz: „Als sehr reiches, friedliches Land stehen wir natürlich vor anderen Herausforderungen als Länder, in denen der Schutz der Kinder vor Krieg und Hunger ein vorrangiges Ziel ist.

 

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es auch in Österreich 100.000 Kinder gibt, die von Armut betroffen sind. Ihnen dieselben Entwicklungschancen zu ermöglichen, wie allen anderen Kindern, ist eine der Aufgaben, die uns die Kinderrechtskonvention stellt.“


Und auch das Thema Umweltschutz könne man in direkten Zusammenhang mit den Kinderrechten bringen: „Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, wie es in der Kinderrechtskonvention verankert ist, heißt gerade heute auch, auf die Umwelt so zu achten, dass sie auch in 20, 30, 50 Jahren noch intakt ist“, sagt Veronika Schippani.


Die Politik ist gefordert

Für die Zukunft der Kinderrechte in Österreich wünscht sich die UNICEF, Kinderrechte nachhaltig in den österreichischen Lehrplänen zu verankern, „denn nur wenn junge Menschen ihre Rechte auch kennen, können sie sich dafür stark machen und andere dabei unterstützen, sie in Anspruch zu nehmen“, sagt Lisa Haber.

 

Parallel dazu müssten Kinderrechte als fixer Bestandteil in die Aus- und Weiterbildung von Pädagogen inkludiert werden, um eine forschungsgeleitete und professionalisierte Handlungspraxis sicherzustellen. UNICEF hat dazu auch eine Petition gestartet.(www.unicef.at/30jahre)


„Noch mehr Bekanntheit erlangen und sich nicht nur im Denken, sondern auch im Handeln der Menschen widerspiegeln“ – das wünscht sich auch Veronika Schippani für die Kinderrechte in Österreich. „Das jetzt um den 30. Geburtstag der Kinderrechtekonvention Koalitionsverhandlungen starten, ist natürlich auch nochmal eine Chance für die Politik, die vielen Herausforderungen, die sich aus den Kinderrechten stellen, ernsthaft in Angriff zu nehmen.“

 

Zum runden Geburtstag der Kinderrechte feiert die Jung-schar heuer übrigens ein großes Geburtstagsfest – einmal in Wien und einmal in Wiener Neustadt. Kinder und ihre Gruppenleiter werden sich dabei bei Musik, Spielen, Kinder-Cocktails und Torte einen Nachmittag lang mit dem Thema Kinderrechte beschäftigen.