Im Wiener Mechitharistenkloster herrscht tiefe Trauer über die Ermordung des armenisch-katholischen Priesters Joseph Bedoyan, der als Pfarrer in Qamishli im nordöstlichen Syrien nahe der türkischen Grenze tätig war. Bedoyan hatte in Wien studiert, während seiner Studienzeit wohnte er bei den Mechitharisten, der Gemeinschaft armenischer Benediktiner im 7. Bezirk. Noch vor kurzem waren Mönche aus dem Mechitharistenkloster mit Joseph Bedoyan zusammengetroffen. Die Terrormiliz IS bekannte sich zu der Tat.
Papst Franziskus hat der Gemeinde und der Familie des ermordeten Pfarrers sein Beileid ausgesprochen. "Ich bin der armenisch-katholischen Gemeinschaft von Qamichlie in Syrien nahe, die sich zur Begräbnisfeier ihres Pfarrers Joseph Bedoyan versammelt hat, der am Montag zusammen mit seinem Vater getötet wurde", schrieb Franziskus am Dienstag auf Twitter. Weiter stellte der Papst fest: "Ich bete für sie, für die Angehörigen und für alle Christen in Syrien". Pfarrer Bedoyan hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Der Älteste studiert, er will ebenfalls Priester werden. Der getötete Priester war besonders in der Aufnahme von Flüchtlingen im Osten Syriens aktiv. Das katholische Hilfswerk "Oeuvre d'Orient" berichtet, er habe sich für den Wiederaufbau engagiert. Das Begräbnis fand am Dienstag in Qamishli statt.
Der Pfarrer war auf der Fahrt von Hassake nach Deir-ez-Zor in einen Hinterhalt geraten. Nach ersten Rekonstruktionen schossen zwei Bewaffnete im Dorf Zar von Motorrädern aus auf das Fahrzeug des Priesters. Der Priester und sein Vater Ibrahim Hanna Bedoyan wurden getötet. Ein Diakon aus Hassake, der ebenfalls im Auto saß, überlebte den Anschlag verletzt. Der Distrikt Busayra, in dem der Mord geschah, ist unter Kontrolle kurdischer Milizen; auch US-Militär ist hier präsent. Der Priester, sein Vater und der Diakon waren nach Der-ez-Zor unterwegs, um die Restaurierung einer von den Islamisten schwer beschädigten Kirche zu begutachten. Die Christen der verschiedenen Konfessionen in Qamishli haben schockiert auf die Ermordung des armenisch-katholischen Priesters und seines Vaters reagiert.
Der Journalist Jeremy Andre Flores, der die Region gut kennt, vermutet den neuen IS-Chef Abu Ibrahim al-Hachemi al-Quraishi hinter den Morden. Der Nachfolger des von einer US-Spezialeinheit getöteten al-Bagdadi versuche zu zeigen, dass der IS weiter eine Bedrohung darstelle.