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13.12.2019

Der Klimawandel „killt“ unseren Christbaum nicht

SONNTAG-Interview mit dem Waldviertler Christbaumbauer Franz Raith.

 

 

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter. Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit.“ Das beliebteste Christbaumlied wird auch heuer wieder am Heiligen Abend erklingen. Aber heiße und trockene Sommer, der Borkenkäfer und der Klimawandel führen zu Besorgnis.

 

Die Konsumenten fragen sich, ob denn auch der Naturchristbaum davon betroffen ist. Allein in Niederösterreich werden 1,1 Millionen Bäume rund um Weihnachten von den Bauern zum Verkauf angeboten. Seit Donnerstag, 12. Dezember, sind sie auch in der Stadt Wien erhältlich.


Knapp vor Beginn des Fällens der Bäume waren wir im Waldviertler Rodingersdorf bei Siegmundsherberg. Hier führt Franz Raith seinen Christbaumhof. Raith steht in seinem Wald und hat die Bäume zum Fällen markiert. Seit vier Jahrzehnten ist er Christbaumbauer. Zudem ist er Obmann der niederösterreichischen- und Sprecher der bundesweiten Christbaumbauern.

 

Vor allem die Nordmanntanne bietet er im Advent in Rodingersdorf ab Hof und in Verkaufsstellen in Marchfeld und Achau an. Franz Raith weiß, wie wichtig Christbäume als Einnahmequelle für die Landwirte in Österreich sind:  „Manche Betriebe setzen Christbäume, damit sie sich ihre Kühe erhalten können. Sie pflegen unsere Landschaft, das ist eine wertvolle Arbeit.“


Wann setzen Sie Ihre Bäume?

Ich beziehe Setzlinge aus einer Baumschule mit einer Wuchshöhe von 20 Zentimetern. Gesetzt werden sie im Herbst, da ist der Boden feucht und die Bäume können gut einwurzeln.


Wie lange dauert es, bis ein Christbaum eine verkaufsfähige Größe erreicht?
Zwischen acht und zehn Jahre in der Baumkultur. So lange dauert es, bis eine Nordmanntanne eine Größe zwischen zwei und zweieinhalb Metern erreicht hat. Wenn einer ein guter Christbaumbauer ist, muss er mit bis zu 20 Tagen Arbeit pro Hektar Christbaumkultur rechnen. Geschnitten werden die meisten Bäume dann bis Mitte Dezember.


Den Kunden sind also frische Bäume garantiert?
Absolut. Die beliebteste in Österreich ist die Nordmanntanne, sie hat ein traumhaft schönes, weiches Nadelkleid. Die Nadeln haben eine Wachsschicht und damit trocknet sie viel langsamer aus und nadelt nicht schnell.


Apropos Trockenheit. Der Klimawandel führt zu heißen Sommern. Was bedeutet das für unseren Christbaum?
Im Waldviertel hatten wir weder voriges, noch dieses Jahr Schäden, von denen man sagen könnte, dass sie von der Trockenheit stammen. Es gibt kaum Auswirkung bei den Bäumen bis zu drei Metern Höhe, die am häufigsten gekauft werden. Die Tanne wurzelt tief und wenn sie drei Meter hoch ist, hat sie auch bis zu drei Meter lange Wurzeln entwickelt.


Das heißt, höhere Bäume sind davon schon betroffen?
Wir haben auch Bäume bis zehn Metern Höhe. Bei den höchsten fallen uns schon viele aus, da sehen wir, dass die Bäume sich gegen das Austrocknen schützen, indem sie innen die Nadeln verlieren.


Warum ist die Nordmanntanne so beliebt?
Sie stammt zwar aus dem Kaukasus, aber bei uns sind Tannen heimisch. Unser Klima ist gut für diesen Baum. Bei der Fichte gibt es hingegen Probleme, weil diese ein Flachwurzler ist.


Wie sieht es denn mit der Klimabilanz der Christbäume aus?
Eine Christbaumkultur von einem Hektar Größe benötigt in zehn Jahren für ihr Wachstum bis zu 43 Tonnen Kohlendioxid und produziert zeitgleich bis zu 105 Liter Sauerstoff. So werden Staubpartikel aus der Luft gefiltert, was sich positiv auf das Kleinklima auswirkt. Außerdem legt ein österreichischer Naturbaum bis zu den Verbrauchern im Schnitt nur 40 Kilometer zurück.


Wer einen heimischen Christbaum kauft, betreibt also Klimaschutz?
Ja. Und zwar redet man dann nicht nur vom Klimaschutz, sondern man tut auch etwas dafür. Kauft man den Baum regional und heimisch, ist man dabei.


Wie gelingt es, den Baum drinnen möglichst lange frisch zu halten?
Den gekauften Baum zu Hause gleich feucht stellen, auf einer Terrasse, oder dem Balkon. Oder ihn am Stamm in ein feuchtes Tuch einwickeln. Der Baum hat sich die Pflege verdient, denn er möchte dann eine Freude in der Wohnung ausstrahlen. Am besten ist ein Christbaumständer, der mit Wasser befüllbar ist.

 

Die Haltbarkeit der Nadeln erhöht sich um 70 Prozent, wenn man ihn ins Wasser stellt. Das Beste ist, den Baum immer kühl und feucht halten.


Warum riecht der Christbaum nicht mehr so wie früher?
Früher waren die Wohnungen nur um die 17 Grad beheizt. Dadurch hat ein Baum noch riechen können. Heute haben die Wohnungen zwischen 22 und 25 Grad. Dadurch verliert der Baum schnell die äußere Wasserschicht, damit kann er in den Raum nur sehr wenig Geruch bringen.


Was hilft, um ihn zum Riechen zu bringen?
Einige Zweige von einer Silbertanne unter den Baum legen, dann hat man auch einen Geruch. Die bekommt man beim Christbaumbauern.


Können Sie noch „O Tannenbaum“ singen?

Das kann ich singen und auch hören. Die Christbaumarbeit macht mir Freude, wenn ich sehe, was wächst. Da der Baum so lange braucht, bis er eine gute Größe hat, ist die Freude dann um so viel intensiver.  Ich habe dann schon eine Freude, wenn ich das zusammengebracht habe.

 

Manche freuen sich, wenn sie weit weg in den Urlaub reisen, wir haben Freude, wenn wir schöne Christbäume zum Wachsen gebracht haben.


Und welche Christbaumstimmung haben Sie da besonders gerne?
Ich setze mich am Abend mit einem guten Buch hin und schaue den Baum an. Das gibt mir Erholung und Frieden und tut mir gut.