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21.01.2020

Bischöfe und Theologen gratulieren Schönborn zum 75er

Bischof Krautwaschl würdigt u.a. Einsatz des Kardinals für Menschen am Rand der Gesellschaft und Konsequenz des Wiener Erzbischofs in der Aufarbeitung von Missbrauch.

Die heimischen Bischöfe haben Kardinal Schönborn nicht nur persönlich sondern zum Teil auch öffentlich zum 75. Geburtstag gratuliert. Auch namhafte heimische Theologen und weitere Kirchen-und Religionsvertreter würdigten dieser Tage Wirken und Person des Kardinals und Wiener Erzbischofs unter verschiedenen Gesichtspunkten.

 

"Wir arbeiten nun schon seit fast fünf Jahren in der Bischofskonferenz und darüber hinaus zusammen. Gerne erinnere ich mich an tiefgründige und auch von Humor getragene Gespräche, die selbst bei kontroversiellen Inhalten zu guten Ergebnissen führten. Ergebnisse, die Dank Deines Einsatzes auch in Rom gehört werden", so der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl in einer Aussendung, in der er persönlich an den Kardinal gerichtet hinzufügt: "Mit Deinem Einsatz für Menschen am Rande, Deiner Besonnenheit, Demut und Konsequenz in der Aufarbeitung von Missbrauch bist Du stets ein Vorbild."

 

Der Grazer emeritierte Bischof Egon Kapellari schließt sich den Glückwünschen an: "Seit fast 50 Jahren bin ich mit Kardinal Christoph Schönborn freundschaftlich verbunden. Seither haben wir miteinander in verschiedensten Aufgaben viel Schönes, aber auch viel Schwieriges erlebt." Schönborns viele unterschiedliche Begabungen seien in der Kirche und auch außerhalb immer hilfreich gewesen "und wurden oft auf das Äußerste herausgefordert". Er habe sich "als ein getreuer, einfühlsamer Mensch, Christ, Priester und Bischof in der Nachfolge Christi bis heute nie geschont".

 

Schönborns 75. Geburtstag sei daher auch ein "besonderes Erntedankfest", so Kapellari: "Seine bisherige Lebensernte ist ungemein reich. Dafür danke auch ich ihm als Freund und Bischof herzlich und verbunden mit ihm im Gebet für den weiteren Weg der Kirche inmitten der Menschheit."

 

"Hat weltkirchlich sehr viel bewegt"

Der Pastoraltheologe Paul Zulehner betonte im Interview der Oberösterreichischen Nachrichten" (Dienstag), dass der Kardinal "weltkirchlich sehr viel bewegt hat". Der Theologe listete vier maßgebliche Erfolge auf: Als Redaktionssekretär des Weltkatechismus habe Schönborn das Handbuch zu den Grundfragen des Glaubens mitverfasst. Als Kardinal habe sich Schönborn weiters zehn Jahre vor vielen anderen Teilen der Weltkirche der sexuellen Missbrauchsskandale angenommen, errichtete Ombudsstellen und entschädigte die Betroffenen. Er habe sich vehement für null Toleranz ausgesprochen.

 

Schönborn habe drittens auch die pastorale Entwicklung der Kirche vorangetrieben. Zulehner: "Er war 2015/2016 maßgeblich an der Familiensynode beteiligt, deren Ergebnis die Zulassung von Geschiedenen in Einzelfällen zu den Sakramenten war." Bei der Amazoniensynode habe er viertens als theologischer Berater mitgewirkt.

 

Die weltkirchlichen Verdienste Schönborns würdigt Zulehner auch auf seinem Blog, betont dort aber auch Schönborns Wirken in Österreich. Mit langem Atem sei es Schönborn gelungen, "die Bischofskonferenz vom rechten Rand wieder in die offene Mitte zu manövrieren". Die Ernennung des Kärntner Bischofs Josef Marketz "ist der krönende Höhepunkt dieses kirchenpolitisch verdienstlichen Bemühens. Zudem ist es ein Bischof, der als Caritasdirektor schon den Geruch der Armen angenommen hat."

 

In der Rolle des Vorsitzenden des Österreichischen Bischofskonferenz habe sich der Kardinal auch wiederholt zu gesellschaftspolitischen Fragen geäußert. Er habe die konkrete "Kleinarbeit" zwar der Caritas überlassen, doch falle in seine Amtszeit das Sozialwort aller vierzehn christlichen Kirchen: ein Hinweis auch darauf, dass das Verhältnis zu den Schwesternkirchen in der Amtszeit von Kardinal Schönborn ausgezeichnet war.

 

Zulehner ortet freilich auch "kleine Schwächen": "Er war Ordensmann und Professor und deshalb nie in in der Alltäglichkeit der bodennahen pfarrlichen Pastoral tätig." Die Pfarrgemeinden hätten ihn freilich über die Jahre hinweg gelehrt, nicht nur die ortlosen geistlichen Bewegungen zu schätzen, sondern auch die lokale Kirche am Ort. Die derzeitige Strukturreform mit immer größeren Pfarren entferne die Kirchenorganisation aber tendenziell von den Menschen, so die Kritik Zulehners.

 

Zugleich attestiert er dem Wiener Erzbischof hohe seelsorgliche Kompetenz: "Das zeigt sich im jesuanischen Umgang mit Menschen mit homosexueller Orientierung ebenso wie mit geschiedenen Wiederverheirateten, mit Priestern ohne Amt."

 

"Den Weg mit Franziskus mitgegangen"

Der Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tück würdigte im "Kurier" (Dienstag) Schönborns Wirken als Moderator in Krisenzeiten. Er habe die Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Flügeln vermittelnd einzugreifen. Im Gespräch mit dem Kurier verwies Tück auch auf Schönborns Wahlspruch: "Vos autem dixi amicos" ("Vielmehr habe ich euch Freunde genannt"; Joh 15,15): Der Kardinal verstehe es, "das Zentrum der christlichen Glaubensbotschaft so einladend zu kommunizieren, wie es dem Inhalt entspricht", so Tück.

 

Im Unterschied zu manchen Weggefährten aus dem (theologischen und persönlichen) Umfeld Kardinal Ratzingers, des späteren Papstes Benedikt XVI., sei Schönborn "den Weg mit Franziskus entschieden mitgegangen", meinte Tück und fügte hinzu, dass diese "pastorale Wendung" von den meisten als Weiterentwicklung in Richtung Offenheit und Liberalität gewürdigt, von anderen hingegen als Mangel an lehramtlicher Klarheit kritisiert worden sei.

 

Dies gelte auch für andere Herausforderungen, wie etwa die Auseinandersetzung mit dem Thema Islam. Dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz seien die damit verbundenen Probleme wohl bewusst, in seiner Funktion müsse ihm aber "an einer stabilen Vertrauensbasis für den interreligiösen Dialog" gelegen sein, meinte Tück. Hier wären andere Vertreter der Kirche - durchaus auch die "eigene Zunft" (also Theologen) - eher gefordert, problematische Tendenzen anzusprechen und Reformansätze innerhalb des Islam zu fördern.

 

"Vorkämpfer des geschwisterlichen Dialogs"

"Pro Oriente"-Präsident Alfons Kloss würdigte den Kardinal in einer Aussendung als "unermüdlichen Vorkämpfer des geschwisterlichen Dialogs zwischen den Kirchen des Ostens und den Kirchen des Westens". "Pro Oriente" schätze sich glücklich, mit Kardinal Schönborn einen Kuratoriumsvorsitzenden zu haben, der durch seine vielfältige Aktivität im Bereich der Ökumene, durch seine tiefgehende theologische Arbeit und seine Haltung der Brüderlichkeit bei den östlichen Kirchen "überaus angesehen und geschätzt" sei, so Kloss.

 

Kardinal Schönborn vermittle immer wieder die Überzeugung von Papst Franziskus, dass "nicht das, was uns unterscheidet", im Mittelpunkt stehen soll, sondern "das, was uns eint", die Bereitschaft, die Botschaft des Evangeliums in der Welt von heute zu bezeugen. Das schließe etwa auch den Einsatz für die "Bewahrung der Schöpfung" ein, der gerade durch das Wirken des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. entscheidende Impulse erhalten habe.

 

Der Schlüssel für das überaus hohe Ansehen des Wiener Erzbischofs bei den Kirchen des Ostens sei seine Theologie, die auf drei Standbeinen beruht: Bibel, Konzilien, Schriften und Denken der Kirchenväter. Diese drei Aspekte habe Schönborn selbst immer wieder als "Säulen des ökumenischen Dialogs" zwischen den Kirchen des Ostens und des Westens bezeichnet. Und er habe stets hinzugefügt, dass es immer wieder um "die persönliche Begegnung und das Ringen um Wahrheit" gehe: "Wahrheit ohne Freundschaft ist zu hart, Freundschaft ohne Wahrheit zu weich", zitierte Kloss den Kardinal.