Die Diözese Eisenstadt und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka laden am Dienstagabend zu einer Gedenkfeier nach Oberwart. Vor 25 Jahren, am 4. Februar 1995, wurden die vier Roma Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon Opfer eines Bombenanschlages, als sie eine Tafel mit der Aufschrift "Roma zurück nach Indien" entfernen wollten. Zur Gedenkfeier laden Sobotka und die Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt, Manuela Horvath, gemeinsam ein. U.a. wird auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl, in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Roma-Seelsorge zuständig, daran teilnehmen.
Die Gedenkfeier, für die jedes Jahr Roma-Seelsorgerin Horvath zuständig ist, beginnt um 18 Uhr in der Europa-Mittelschule in Oberwart (Schulgasse 29). Schülerinnen und Schüler werden eingangs die Biografien der Opfer vorstellen. Im Anschluss wird eine Filmdokumentation über den Anschlag gezeigt, die von den Schülern gemeinsam mit Horvath produziert wurde. Darin kommt auch der damalige Eisenstädter Bischof Paul Iby zu Wort.
Den Hauptvortrag hält Gerhard Baumgartner, Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands. Im Anschluss findet ein Gedenkmarsch durch Oberwart zur Gedenkstätte bei der Roma-Siedlung statt. Dort werden u.a. Weihbischof Franz Scharl und der evangelische Superintendent des Burgenlandes, Manfred Koch, einem ökumenischen Gebet vorstehen.
Das Wort ergreifen werden Nationalratspräsident Sobotka, der Oberwarter Bürgermeister Georg Rosner, die burgenländische Landtagspräsidentin Verena Dunst, Manuela Horvath und Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma.
"Es war totales Chaos in der Siedlung", schilderte Manuela Horvath dieser Tage im "Kurier"-Interview die Ereignisse von 1995. Sie war zehn Jahre alt, als ihr Onkel am 5. Februar 1995 in der Früh am Rande der Siedlung die vier Leichen entdeckte. An die Angst könnten sich noch alle erinnern, keiner wusste damals, wer für die Bombe verantwortlich war und ob es weitere Anschläge geben würde. "Beim Begräbnis waren vermummte Polizisten mit Gewehren am Dach der katholischen Kirche. In der Zeit danach durften wir nicht mehr ohne Erwachsene draußen spielen", erinnerte sich Horvath. Das Geschehene ganz zu verarbeiten, sei unmöglich.
"Es gehört zur jüngsten Zeitgeschichte, diese rassistischen Anschläge kann man nicht einfach streichen. Es war nicht nur die Rohrbombe in Oberwart", so Horvath: "Es ist nicht einfach, damit umzugehen, aber es ist wichtig, dass es eine Möglichkeit gibt, immer wieder an die Opfer zu erinnern."