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10.04.2020

Bischöfe: Flüchtlinge in Griechenland brauchen Hilfe

Schönborn dafür, einige unbegleitete Minderjährige in Österreich aufzunehmen. Scheuer: "Es besteht unmittelbarer Handlungs- und Entscheidungsbedarf". Elbs: "Die eigene Not darf nicht blind machen für die Not der anderen".

Die österreichischen Bischöfe drängen darauf, dass den Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland intensiver geholfen wird. "Hilfe ist jetzt besonders nötig. Da besteht unmittelbarer Handlungs- und Entscheidungsbedarf", sagte etwa der Linzer Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt bei der Gründonnerstagsliturgie. Scheuer zitierte dabei auch eine Aussage von Kardinal Christoph Schönborn: "Ob Flüchtlinge, die unter unvorstellbaren Zuständen auf den griechischen Inseln leben, oder unser direkter Nachbar: Wir sind nur Christen, wenn wir bereit sind, zu teilen. Auch wenn es schmerzt."
 
"Die Flüchtlinge in ihrer Not zu sehen, ist Kernauftrag des Evangeliums", sagte Kardinal Schönborn im "Kurier"-Interview (Freitag-Ausgabe). Er habe auf der einen Seite Verständnis dafür, dass sich Menschen ob der Migrationsbewegungen große Sorgen machen, aber: "Österreich hat etwa in der ersten großen Syrien-Krise, noch vor 2015, in sehr vorbildlicher Weise ein Resettlement-Programm gemacht - da sind 2.500 besonders vulnerable Personen mithilfe des UNHCR und der Kirchen nach Österreich gekommen. Die aktuelle Bitte, jetzt besonders schutzbedürftige unbegleitete Minderjährige aufzunehmen - da geht es nicht um große Zahlen - wäre auch erfüllbar."
 
Auch der Feldkircher Bischof Benno Elbs hat in seiner Gründonnerstagspredigt eindringlich auf die Not der Flüchtlinge hingewiesen: Solidarität dürfe nicht auf die eigene Gesellschaft beschränkt bleiben, so Elbs: "Die eigene Not darf nicht blind machen für die Not der anderen - etwa das Elend der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. Auch wenn unsere Möglichkeiten zu helfen durch die gegenwärtige Pandemie begrenzt sind, dürfen wir in unserer Not die Not der anderen nicht übersehen. Wir sind eingeladen zu helfen, so gut wir können."
 
Caritaspräsident Michael Landau hat in einem Tweet betont, dass er die unverzügliche Evakuierung besonders verletzlicher Gruppen von den Inseln aufs Festland für ein Gebot der Stunde halte. Er hoffe zudem sehr, dass Österreich so wie etwa Luxemburg auch bereit sei, einige Familien und Kinder aufzunehmen. Dass Österreich Griechenland mit 180 Containern zur Unterbringung von Geflüchteten sowie deren Gesundheitsversorgung unterstützt, begrüßte Landau.
 
Die Ausreise der ersten zwölf minderjährigen Flüchtlinge aus Griechenland in ein anderes EU-Land wird am 15. April stattfinden. Es sollen neun Kinder aus dem größten Flüchtlingslager Europas, Moria auf der Insel Lesbos, sein, zwei Kinder von der Insel Chios und ein Kind von der Insel Samos nach Luxemburg fliegen, wie die Regierung in Athen am Donnerstag mitteilte. Die zwölf Kinder sollen zunächst nach Athen kommen und dann von dort nach Luxemburg fliegen. Danach sollen am 17. April weitere 50 Kinder nach Deutschland gebracht werden. Außer Deutschland und Luxemburg hat bisher noch kein EU-Land derartige konkrete Schritte gesetzt.
 
Die österreichische Caritas hat schon seit Wochen ihre Hilfe für die Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland verstärkt. Das kirchliche Hilfswerk unterstützt medizinisch, aber auch ganz grundlegend mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneprodukten. 

 

Appell an Bundesregierung

Wenn Länder wie Deutschland jetzt bereit sind, wenigstens eine kleine Zahl von besonders schutzbedürftigen Asylsuchenden aus Griechenland aufzunehmen, sollte auch die österreichische Bundesregierung - entgegen ihrer zuletzt ablehnenden Haltung - diesem Beispiel folgen. Das hat der Integrationsbeauftragte der Diözese Graz-Seckau, Erich Hohl, am Freitag in einer Aussendung gefordert. Eine Verbesserung der Lage und spürbare Solidarität werde es nur dann geben können, wenn im internationalen Rahmen möglichst viele einen grenzüberschreitenden Beitrag leisten.
 
An den Grenzen der Europäischen Union in überfüllten Flüchtlingslagern ereigneten sich schon wochenlang menschliche Dramen und die Lage könne jederzeit explodieren, warnte Hohl: "Der Schrei der Flüchtlinge und der Schrei der Ohnmacht sind gerade am Karfreitag zum Erdrücken spürbar."
 
Die längst überfällige Evakuierung heillos überfüllter Lager etwa in Griechenland komme aber nicht richtig in die Gänge, weil der Zusammenhalt der Staatengemeinschaft auch in der Flüchtlingsfrage zunehmend weniger gegeben ist. Hohls Appell: "Gerade in schwierigen Zeiten braucht es bei aller berechtigten nationalen Sorge um das Wohlbefinden der eigenen Bevölkerung den solidarischen Einsatz für die Ärmsten und Notleidenden. Die Welt wird auch nach der Überwindung der Corona-Krise nicht automatisch gerechter und besser. Alle sind aufgerufen - also Einzelne, Gemeinschaften und Staaten - das je mögliche für ein möglichst menschenwürdiges Leben aller beizutragen."