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13.04.2020

Corona: Private Kindergartenbetreiber in Finanznöten

Geschäftsführer der Wiener kirchlichen St. Nikolausstiftung, Walter, wünscht sich im Kathpress-Interview Ausgleichszahlungen aus dem Härtefallfonds der Regierung.

Mehr Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung für die Kindergärten in Zeiten der Coronakrise wünscht sich Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien, von Seiten der Politik. Zur Stiftung gehören Kindergärten und Horte an fast 90 Standorten in ganz Wien mit rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 6.100 Kindern.

 

Trotz finanzieller Zuwendungen der Stadt Wien würden - aufgrund unterschiedlicher finanzieller Voraussetzungen der privaten Kindergärten - nicht alle Kosten der privaten Trägerorganisationen ersetzt. Das bringe private Betreiber wie die Nikolausstiftung in finanzielle Bedrängnis, so Walter im Kathpress-Interview am Dienstag. In diesem Sinne appellierte er an die politisch Verantwortlichen, dass jene Kosten, die den Förderbeitrag der Stadt übersteigen, etwa vom Härtefallfonds der Regierung getragen werden, so Walter.

 

Verschlechterungen im Angebot vermeiden

Es gehe jetzt darum, nachhaltige Verschlechterungen in Struktur und Angebot der privaten Träger, wie die Nikolausstiftung einer ist und wie sie fast die Hälfte aller Kindergärten in Wien ausmachen, zu vermeiden, ohne das auf den Schultern der Eltern auszutragen, so Walter. Einrichtungen privater bzw. gemeinnütziger und öffentlicher Träger sollten im Sinne der Bestandssicherung in jedem Fall gleich behandelt werden.

 

Seit gut vier Wochen sei in den Kindergärten und Horten nichts mehr wie zuvor. An manchen Standorten sei kein Kind anwesend, in anderen eines und bei manchen mehr als zehn, schilderte Walter. Viele Kinder würden von den Eltern zu Hause betreut, aber zumindest für systemrelevante Berufsgruppen müssten die Kindergärten und Horte geöffnet sein, und nun würden ja auch wieder viele Geschäfte aufsperren.

 

Klare Richtlinien fehlen

Ganz klar sei freilich nicht, welche Kinder eigentlich kommendürfen, so Walter. Die politischen Empfehlungen pendelten zwischen "nur mit Bestätigung des Dienstgebers" und "wenn Eltern daheim überfordert sind, das Kind zumindest tageweise betreuen", erläuterte der Geschäftsführer der Nikolausstiftung: "Die Anweisungen und Richtlinien lassen viel Auslegungsspielraum, was bei den Kindergärten und Eltern zu Unsicherheiten führen."

 

Ein weiteres Problem: Die Kinderzahl variiere zum Teil täglich, es gebe keine klaren Vorgaben bzgl. der Gruppengrößen oder auch hinsichtlich der Frage, wenn plötzlich wieder mehr Kinder kommen, als es die für die Gruppengrößen erlassenen Vorgaben erlauben. Auch brauche es sehr große Flexibilität bei den Dienstplänen.

Eine große Herausforderung sei auch, dass es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Schutzmöglichkeiten gebe. Ein Sicherheitsabstand von ein bis zwei Metern sei im Kindergarten unmöglich umsetzbar. "Selbst wenn unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort Masken tragen, können sie sich selbst damit nicht schützen", so Walter.