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28.04.2020

Scharl: Auch beim "Hochfahren" mehr Rücksicht für ältere Menschen

Wiener Weihbischof: Klare Informationen, "freundschaftlicher Abstand" und besondere Achtsamkeit für "jene, die wegen der Krise an den Rand gedrängt werden".

Zu einer weiter verstärkten Aufmerksamkeit für hochbetagte Menschen auch in der nun angelaufenen neuen Phase der Coronakrise hat der Wiener Weihbischof Franz Scharl aufgerufen. Eine "Haltung aufrichtiger Fürsorge" sei erforderlich, da diese Personengruppe nicht nur die am meisten von der Covid-19-Erkrankung gefährdete, sondern auch die oft einsamste und die von heutigen Formen gesellschaftlicher Kommunikation am wenigsten erreichte sei, forderte der Bischof in einer Aussendung vom Dienstag. Scharl ist in der Erzdiözese Wien als Bischofsvikar für die Kategoriale Seelsorge u.a. für Bereiche wie Seniorenpastoral, Telefonseelsorge oder die kirchlichen Familienstellen zuständig.

 

Klare Information bleibt Gebot der Stunde

"Für Menschen, die sich bewusst sind, dass ihr Leben hier sehr bald zu Ende sein könnte, klingen Aussagen wie 'Wir müssen uns auf längere Zeit ans Abstandhalten gewöhnen' schnell wie 'Nie mehr in diesem Leben'", wies der Weihbischof die besondere Perspektive der ältesten Bevölkerungsgruppe hin. Ansagen von künftigen Ankündigungen wirkten für Senioren oft mehr irritierend denn aufklärend, und würden viel Raum für Spekulationen und Fake-News lassen. Die überstarke Ausrichtung auf Social Media vernachlässige zudem jene Menschen, die keinen Zugang dazu haben, verstärke aber auch oft die Kommunikationslosigkeit über andere Kanäle. Klare Information bleibe daher Gebot der Stunde.

 

In den vergangenen Wochen sei aus heutiger Sicht "erfreulicherweise ein guter Grundstein gelegt worden, um die Bedrohungen durch die Pandemie abzuschwächen", lobte der Bischof die Maßnahmen der Regierung wie auch deren Befolgung durch die Bevölkerung. Nun sei die Zeit gekommen, Maßnahmen zu entschärfen, ebenso jedoch auch "die weiter notwendigen Maßnahmen mit Eigenverantwortung und Haltung zu gestalten". Statt Misstrauen gegenüber anderen sei verantwortliches Handeln gefragt, wie etwa "freundschaftlicher Abstand - das Abstimmen der notwendigen körperlichen Distanz mit der Sorge für die Bedürfnisse des Gegenübers", wie Scharl erklärte.

 

Langzeitfolgen beachten

Außer diese Grundregeln müsse jedoch weiterhin ein "achtsamer Umgang mit all jenen, die aufgrund der Krise an den Rand gedrängt werden", gepflegt werden, betonte der Wiener Weihbischof. Er nannte hier die Kranken, "jene, deren Existenz gefährdet ist", hochbetagte oder vernachlässigte Menschen, jedoch auch Kinder und Jugendliche.

 

Psychische Belastungen und Einsamkeit könnten auch nachteilige Langzeitfolgen nach sich ziehen, machten die Anrufe bei der Telefonseelsorge, dem Seniorentelefon oder Familienstellen sichtbar: Kinder beispielsweise würden oft unter Einschränkung ihrer sozialen Kontakte und der Bewegungsfreiheit leiden, Eltern wiederum an einer Mehrfachbelastung von Betreuungs- oder Pflegeaufgaben gemeinsam mit beruflichen Herausforderungen auf engstem Raum, immer wieder auch verbunden mit existenziellen Nöten. Scharl: "Hier dürfen wir mit großer Dankbarkeit und Bewunderung auf die Leistungen vieler Menschen - sehr oft von Frauen - blicken, aber müssen gleichzeitig auch feststellen, dass soziale Gräben und Benachteiligungen verstärkt sichtbar werden."

 

Solidarität gefragt

Um diese Situation solidarisch zu meistern, sind nach den Worten des Weihbischofs alle in der Gesellschaft, insbesondere auch Christen und die Kirche mit ihren Institutionen, aufgefordert, "kreative und mutige Wege zu finden, um ein gesundendes Miteinander zu fördern". Schon in der jüngsten Vergangenheit habe die Nachbarschaftshilfe und persönliche Kontaktaufnahme viel Positives bewirkt. Dies gelte es nun weiterzuführen und auf neue Weise auszubauen - "im sozialen als auch im geistlichen Leben".