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29.05.2020

10 Wochen, 62 Livestreams, über 170.000 Mitfeiernde

Am Samstag findet der vorläufig letzte Livestream aus der Andreaskapelle mit Kardinal Christoph Schönborn und Weihbischof Turnovszky statt. Aus der Not geboren, hat sich in zehn Wochen eine richtige Feiergemeinschaft entwickelt.

Am 15. März passierte, was viele noch die Woche davor niemals gedacht hätten. Die Regierung erließ die notwendigen Corona-Maßnahmen, um eine Situation wie in Italien zu verhindern. Plötzlich waren Veranstaltungen verboten, Lokale und viele Geschäfte geschlossen und auch die Gottesdienste konnten nicht mehr öffentlich mit Besuchern gefeiert werden.

 

Auf den ausdrücklichen Wunsch von Kardinal Christoph Schönborn hin wurde innerhalb von zwei Tagen ein Team auf die Beine gestellt, um, fürs Erste einmal, zehn Livestreams aus der Andreaskapelle zu senden. Zehn Heilige Messen mit jeweils bis zu 8.000 Mitfeiernde und viele positive Rückmeldungen, bestärkten uns, weiter zu machen. Erst wurde bis Ostern verlängert, dann entschieden, wir senden bis Pfingsten. Inzwischen können wieder öffentliche Gottesdienste besucht werden, trotzdem finden sich jeden Morgen über 1.000 Mitfeiernde für die Livestreams aus der Andreaskapelle zur gemeinsamen Messfeier ein.

 


"Mehr als 10 Wochen lang wurden fast täglich die Frühmessen, die ich mit meiner Hausgemeinschaft in der Andreaskapelle feiere, über den Livestream-Kanal der Erzdiözese Wien und den ORF III übertragen. Es hat mich überwältigt, dass so viele Menschen von zu Hause daran teilgenommen haben", so Kardinal Christoph Schönborn. Am Pfingstsamstag, 30. Mai 2020, wird er die vorläufig letzte Livemesse aus der Andreaskapelle feiern. Die öffentlichen Gottesdienste finden wieder statt und die Corona-Maßnahmen werden dank der sinkenden Fallzahlen in Österreich laufend reduziert.


Gemeinschaft und Verbundenheit auch online möglich

"Die unzähligen berührenden Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass hier etwas ganz Einmaliges entstanden ist", so Kardinal Schönborn weiter: "Viele Menschen haben sich jeden Morgen auf die Frühmesse gefreut, sie haben Trost und Hoffnung erfahren. Auch wenn ich Sie nicht sehen konnte und nicht weiß, wer im Einzelnen daran teilgenommen hat, war doch eine Gemeinschaft, eine tiefe Verbundenheit im Gebet spürbar. Für mich war es bereichernd, in der Vorbereitung auf die Predigt jeden Tag aufs Neue zu betrachten, was das Wort Gottes uns heute sagen kann. Ich danke dem ORF und der Technik, die diese hochqualitative Übertragung ermöglicht haben. Vor allem aber danke ich Ihnen, dass Sie mit Ihrem Gebet und Ihren persönlichen Anliegen diese Gottesdienste mitgetragen haben. Möge der Pfingstgeist Sie auf Ihrem Weg durch die kommende Zeit stärken!"
 

Es hat sich eine Feiergemeinde gebildet

Ein Team von 21 Personen sorgte, teils in Homeoffice, teils abwechselnd vor Ort in der Andreaskapelle, für den reibungslosen Ablauf der Morgenmessen. Dazu kommt noch 50 Personen, die die Telefonhotline, die extra für Gespräche nach den Gottesdiensten eingerichtet wurde, betreut haben. Gut 1.000 Menschen brachten ihre Anliegen, Gedanken, Ängste aber auch Danksagungen über das Telefon zum Ausdruck. Außerdem wurden sieben der 62 Livestreams zusätzlich mit Gebärdendolmetsch gesendet, um auch Gehörlosen eine Teilhabe zu ermöglichen.


Für Weihbischof Stephan Turnovszky, der den Erzbischof des öfteren vertrat, waren die Werktagsmessen Trost und Stütze in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen. "Ich musste nicht alleine zelebrieren, sondern konnte die heilige Messe mit via Medien einbezogenen Menschen feiern. Die vielen Rückmeldungen via Mail, die mir weitergeleitet wurden, haben mich erkennen lassen, dass sich tatsächlich so etwas wie eine Feiergemeinde gebildet hat. Das hat wiederum meine Verkündigung inspiriert, weil ich eine Ahnung von den Mitfeiernden hatte." Trotz aller Einschränkungen sei so ein menschlicher Dialog erfahrbar geworden.


Positiv überrascht zeigte sich Weihbischof Turnovszky, dass es trotz der für eine Werktagsmesse großen Länge keine Beschwerden gab, sondern im Gegenteil in den Rückmeldungen viel Dankbarkeit zum Ausdruck kam. "Beschenkt nehme ich mit, dass die Krise für mich Anlass wurde, manches zur Routine Gewordene zu adaptieren oder gar in Frage zu stellen, und mich gezwungen hat, manche Fragen (wie die nach der geistlichen Kommunion oder den Kirchengeboten) im Gebet und Nachdenken zu vertiefen. Für die jetzt wieder öffentlichen Gottesdienste wünsche ich mir die Fähigkeit von Zelebranten und Mitfeiernden, Paradoxien (deren der Glaube übervoll ist) in Wort und Ritus auszudrücken, wie zum Beispiel, dass wir derzeit trotz physischer Distanzierung menschliche Nähe suchen. Das kennen wir doch: Vom in den Himmel aufgefahrenen Jesus, der uns im Heiligen Geiste nahe bleibt!", so Weihbischof Stephan Turnovszky, der allen ein gesegnetes Pfingstfest wünscht.

 

Alle Predigten können weiter auf dem YouTube Channel der Erzdiözese Wien aufgerufen und angesehen werden.