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15.06.2020

Wiener Kirchenhistoriker veröffentlicht Lexikon zu den Bischöfen der Donaumonarchie

Wiener Kirchenhistoriker Klieber veröffentlichte ersten von vier Bänden betreffend die Bischöfe des Königreichs Ungarn zwischen 1804 und 1918.

Nach mehrjähriger Arbeit erschien in diesen Tagen der erste Band eines kirchenhistorischen Mammut-Projekts: Das 660 Seiten umfassende Lexikon "Die Bischöfe der Donaumonarchie 1804 bis 1918", an dem Kirchenhistoriker aus allen neun Nachfolgestaaten der Monarchie zusammenarbeiten.

 

Der erste Band dieses vom Wiener Kirchenhistoriker Prof. Rupert Klieber herausgegebenen Werkes widmet sich den Biografien der römisch-katholischen Bischöfe des Königreichs Ungarn (ohne Kroatien), speziell den Kirchenprovinzen Gran, Kalocsa und Erlau. Das von Klieber noch gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Kirchenhistoriker Prof. Erwin Gatz begonnene Forschungsprojekt soll am Ende in vier Bänden Porträts aller 600 Bischöfe des Kaiserreichs Österreich (ab 1804 bis 1867) sowie Österreich-Ungarns (1867-1918) umfassen.


Der zusammen mit einem slowakisch-ungarischen Historikerteam erarbeitete erste Band umfasst 126 Bischöfe bzw. 169 Amtsperioden, da jeder vierte Bischof in ein anderes, höher dotiertes Bistum aufstieg. Die ausführlichen Porträts der Bischöfe bieten erstmals ein "konturiertes Gesamtpanorama des Hochklerus Ungarns" über mehr als ein Jahrhundert, erläuterte Klieber gegenüber Kathpress die Relevanz des Werkes. Anders als in üblichen Diözesangeschichten würde in den Porträts auch "heikle Themenfelder wie wirtschaftliche Pleiten, Charakterfehler oder Missbrauchsvorwürfe nicht ausgeklammert" und zu einem komplexen Bild beitragen.

Sichtbar werde darüber hinaus, wie sehr die Monarchen und Behörden der Donaumonarchie die Religionsgemeinschaften förderten und zugleich forderten, indem sie ihre Loyalität erwarteten, so Klieber weiter. Entsprechend seien die Bischöfe über ihre kirchlichen Funktionen hinaus auch als "Staatsdiener" in Erscheinung getreten, nicht selten aber auch als "Kulturkämpfer und Nationenbildner".

Im Blick auf die im ersten Band beleuchteten Bischöfe Ungarns falle besonders die herausgehobene Stellung des Primas von Ungarn ins Auge, der eine besondere "Kompetenzebene zwischen den Metropoliten und Rom" bildete, ferner die weitreichenden Kirchenrechte des Königs und die "ungewöhnlich reiche Ausstattung" der Bischöfe mit Grundbesitz.
 
Die üppige finanzielle Ausstattung ermöglichte ihnen weitreichende wirtschaftliche Aktivitäten, die von Investitionen in die kirchliche und schulische Infrastruktur über ein Mäzenatentum im Bereich von Kunst und Wissenschaft bis hin zu teils "gigantomanischen" Bauprojekten wie der Kathedral-Anlage von Gran oder den Domen in Waitzen und Erlau reichten, führte Klieber weiter aus.

Weitere Bände bis 2027 geplant
Am ersten Band arbeiteten 34 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Ungarn, der Slowakei und Rumänien. Der zweite Band, betreffend die Kirchenprovinzen Salzburg und Wien, Prag und Olmütz, Krakau und Lemberg soll laut Klieber im Jahr 2023 erscheinen, der vierte Band über die griechisch-katholischen Bischöfe der Monarchie 2025, der dritte über die südliche Monarchie von Mailand bis Sarajewo 2027.