Der zusammen mit einem slowakisch-ungarischen Historikerteam erarbeitete erste Band umfasst 126 Bischöfe bzw. 169 Amtsperioden, da jeder vierte Bischof in ein anderes, höher dotiertes Bistum aufstieg. Die ausführlichen Porträts der Bischöfe bieten erstmals ein "konturiertes Gesamtpanorama des Hochklerus Ungarns" über mehr als ein Jahrhundert, erläuterte Klieber gegenüber Kathpress die Relevanz des Werkes. Anders als in üblichen Diözesangeschichten würde in den Porträts auch "heikle Themenfelder wie wirtschaftliche Pleiten, Charakterfehler oder Missbrauchsvorwürfe nicht ausgeklammert" und zu einem komplexen Bild beitragen.
Sichtbar werde darüber hinaus, wie sehr die Monarchen und Behörden der Donaumonarchie die Religionsgemeinschaften förderten und zugleich forderten, indem sie ihre Loyalität erwarteten, so Klieber weiter. Entsprechend seien die Bischöfe über ihre kirchlichen Funktionen hinaus auch als "Staatsdiener" in Erscheinung getreten, nicht selten aber auch als "Kulturkämpfer und Nationenbildner".
Im Blick auf die im ersten Band beleuchteten Bischöfe Ungarns falle besonders die herausgehobene Stellung des Primas von Ungarn ins Auge, der eine besondere "Kompetenzebene zwischen den Metropoliten und Rom" bildete, ferner die weitreichenden Kirchenrechte des Königs und die "ungewöhnlich reiche Ausstattung" der Bischöfe mit Grundbesitz.
Die üppige finanzielle Ausstattung ermöglichte ihnen weitreichende wirtschaftliche Aktivitäten, die von Investitionen in die kirchliche und schulische Infrastruktur über ein Mäzenatentum im Bereich von Kunst und Wissenschaft bis hin zu teils "gigantomanischen" Bauprojekten wie der Kathedral-Anlage von Gran oder den Domen in Waitzen und Erlau reichten, führte Klieber weiter aus.
Weitere Bände bis 2027 geplant
Am ersten Band arbeiteten 34 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Ungarn, der Slowakei und Rumänien. Der zweite Band, betreffend die Kirchenprovinzen Salzburg und Wien, Prag und Olmütz, Krakau und Lemberg soll laut Klieber im Jahr 2023 erscheinen, der vierte Band über die griechisch-katholischen Bischöfe der Monarchie 2025, der dritte über die südliche Monarchie von Mailand bis Sarajewo 2027.