Papst Franziskus hat erstmals sechs Frauen in den Vatikanischen Wirtschaftsrat berufen. Mit der Düsseldorfer Juraprofessorin Charlotte Kreuter-Kirchhof, Expertin für öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht, sowie der Berliner Finanzspezialistin Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, sind zwei davon aus Deutschland. Als Leiter des Rates wurde Kardinal Reinhard Marx bestätigt, teilte seine Erzdiözese München und Freising am Donnerstag mit.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, nannte die erstmalige Ernennung von Beraterinnen für den Rat ein "wichtiges Zeichen". In Rom werde so die Kompetenz von Frauen aufmerksam wahrgenommen und genutzt. Mit Kreuter-Kirchhof sei eine national und international anerkannte Juristin berufen worden. Die Deutsche Bischofskonferenz schätze ihr besonderes Engagement als stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Hildegardis-Vereins, der sich um die Förderung von Frauen in Führungspositionen kümmere. Kolak wiederum sei in der Bankenwelt eine hoch anerkannte Expertin, die bereits ihre hohe ökonomische Kompetenz unter Beweis gestellt habe.
Neben den beiden deutschen Finanzexpertinnen ernannt wurden zwei spanische sowie zwei britsche Bank- und Finanzexpertinnen und ein italienischer Versicherungsexperte. Alberto Minali war Generaldirektor und CFO der Generali-Versicherungsgruppe. Ruth Mary Kelly ist ehemalige Staatssekretärin im Bildungsministerium in London und war bei der HSNC-Bank tätig. Lesile Jane Ferrar war einige Zeit als Schatzmeisterin von Prinz Charles tätig.
Die Spanierin Maria Osacar ist Gründerin eines unabhängigen Investmentunternehmens und war bei verschiedenen Unternehmen in der Immobilienbranche tätig. Eva Castillo war Präsidentin von Meryll Lynch Spanien und Portugal; derzeit ist sie Aufsichtsratsmitglied zweier Banken sowie Treuhänderin zweier Stiftungen. Bisher arbeiteten schon zwei Italienerinnen als Angestellte in der Behörde.
Unter den Kardinalsmitgliedern des Wirtschaftsrates bestätigte der Papst neben Marx den Südafrikaner Winfried Napier. Neu ernannte er die Kardinäle Peter Erdö (Budapest), Odilo Scherer (Sao Paulo), Gerald Lacroix (Quebec), Joseph Tobin (Newark), Giuseppe Petrocchi (L'Aquila) und Anders Arborelius (Stockholm).
Der Wirtschaftsrat hat die Aufgabe, die Durchführung der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls aufmerksam zu verfolgen. Zudem soll er über die Strukturen sowie über die administrativen und finanziellen Aktivitäten der Behörden der Römischen Kurie, der mit dem Heiligen Stuhl verbundenen Einrichtungen und des Staates der Vatikanstadt wachen. Das Gremium besteht aus 15 Mitgliedern - acht werden aus den Kardinälen und Bischöfen ausgewählt, sieben sind Laien und Experten aus verschiedenen Nationen, die über Finanzkompetenz und anerkannte Professionalität verfügen.