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11.09.2020

Präsent, relevant und wirksam in Vergangenheit und Zukunft

Beim „Fest der Orden“ urde die neue Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Sr. Christine Rod, herzlich willkommen geheißen.

Zum Festakt in der Konzilsgedächtniskirche in Wien kamen höhere Ordensobere aus ganz Österreich, um der ehemaligen Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreich, Sr. Beatrix Mayrhofer, dem ehemaligen Vorsitzenden der Superiorenkonferenz, Abt em. Christian Haidinger, der ehemaligen Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden, Sr. Cordis Feuerstein und der längst dienenden Mitarbeiterin Frau Charlotte Koberger ihren Dank auszudrücken.


Sr. Beatrix Mayrhofer und Abt em. Christian Haidinger repräsentierten von 2013 bis 2019 gemeinsam die österreichischen Ordensgemeinschaften. Frau Charlotte Koberger war 43 Jahre für die Superiorenkonferenz tätig. Unter den Gästen konnten auch Weihbischof Helmut Krätzl und Bischof em. Maximilian Aichern begrüßt werden.


„Vorbilder der Nachhaltigkeit“

Nach der feierlichen Vesper hielt die französische Religionssoziologin und Privatdozentin Isabelle Jonveaux, sie unterrichtet an den Universitäten Graz und Linz, einen Vortrag zum Thema: „Relevanz der Orden heute. Die Chance eines neuen Platzes in der Gesellschaft.“ Im Vergleich zu Frankreich seien die Orden in Österreich und Deutschland sehr präsent. Empirische Untersuchungen zeigten, dass die Relevanz der Orden für die Gesellschaft durch ihre vielfältigen Einrichtungen wie Schulen und Spitäler in der Öffentlichkeit gegeben ist. Die Frage, ob das Ordensleben noch plausibel sei, beantwortet die Soziologin durchaus kritisch. Einerseits wurden Orden als Gegenentwurf zur Gesellschaft, ja sogar zur Kirche gegründet, andererseits bewiesen sie in der Geschichte durchaus, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit zu reagieren. Wichtig ist es aber für die Orden nicht abhängig von Antworten auf Bedürfnisse der Gesellschaft zu sein, damit sie sich zu jeder Zeit und an jeden Ort anpassen können.


Jonveaux sieht die ökologische Ausrichtung vieler klösterlicher Gemeinschaften und ihren nachhaltigen Lebensstil, der aus einer asketischen Grundhaltung gespeist werde, als Chance, Vorbild für Nachhaltigkeit zu werden. Sie betont, dass Klöster auch ein spirituelles Publikum anziehen, das nicht unbedingt katholisch ist und in ihnen einen Ort besonderer Energie findet. Das geweihte Leben werde auch als Kontrapunkt gegen den Leistungsdruck in unserer Gesellschaft gesehen.
Für die Zukunft gelte: Ordensleute werden weniger, dafür müssen sie sich stärker auf die Kernidentität konzentrieren. Ein Mönch muss Mönch sein (dürfen), doch das werde oft wegen vieler zusätzlicher Tätigkeiten in den Hintergrund gedrängt. Jonveaux empfiehlt ein Gleichgewicht zu finden zwischen gesellschaftlicher Relevanz und spiritueller Ausrichtung. „Die Orden haben eine Zukunft, wenn sie eine Zukunft haben wollen“, so die Soziologin.

 

Mit Mut, Umsicht und Vertrauen

Erzabt Korbinian Birnbacher richtete Dankesworte an Abt em. Christian Haidinger. Er habe mit Mut und Offenheit die Geschicke der Superiorenkonferenz zwei Funktionsperioden hindurch geleitet, eine neue Finanzgebarung aufgesetzt, das Institut der Orden gegründet und schließlich die Weichen für den Zusammenschluss mit der Vereinigung der Frauenorden gestellt. Haidinger sei ein Visionär, der den Konflikt nie gesucht, aber auch nie einem ausgewichen sei.
Die stellvertretende Vorsitzende Sr. Franziska Bruckner bedankte sich bei der ehemaligen Vorsitzenden der Frauenorden Österreichs, Sr. Beatrix Mayrhofer. Sie erinnerte an ihr außergewöhnliches Engagement für die Flüchtlinge in der Votivkirche und die Vermittlung zwischen diesen und den Behörden. In Sr. Mayrhofers Amtszeit feierte die Vereinigung der Frauenorden Österreichs ihr 50-Jahr-Jubiläum. Sr. Franziska Bruckner strich die umsichtige Art der ehemaligen Präsidentin der Frauenorden hervor, ihre Offenheit für Nöte, die Klarheit ihrer Entscheidungen und ihren Mut, auch im unbekannten Terrain Entscheidungen zu fällen. Durch ihr Vertrauen in Gott habe der Hl. Geist viel bei den Menschen bewirken können, so Sr. Franziska Bruckner.


Dank sprach die stellvertretende Vorsitzende auch der ehemaligen Generalsekretärin Sr. Cordis Feuerstein aus. Es sei ein Glücksfall gewesen, als 2010 Sr. Cordis von ihrer Gemeinschaft die Erlaubnis bekam, diese herausfordernde Aufgabe zu übernehmen. Neben vielen anderen Tätigkeiten bewies sie einen äußerst engagierten Umgang mit der schwierigen Aufgabe der Mitarbeit in der Opferschutzkommission. Ihr Markenzeichen sei stets die Antwort „Kein Problem!“ gewesen.


Geschäftsführer Peter Bohynik dankte für das 43-jährige Wirken von Frau Charlotte Koberger. Sie sei noch vor der Erfindung der Suchmaschinen das Google der Superiorenkonferenz gewesen und begleitete die Superiorenkonferenz durch zwei Drittel ihres Bestehens. Hinter jedem erfolgreichen Generalsekretär wie P. Leonhard Gregotsch, P. Erhard Rauch, P. Franz Helm und ihm selbst habe immer auch eine starke Frau gestanden: Frau Charlotte Koberger.

 

Präsent, relevant und wirksam

Nach einem Rückblick und Dank von Abt em. Haidinger wurde Generalsekretärin Sr. Christine Rod offiziell von den Vorsitzenden willkommen geheißen. Im Ausblick der ersten Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz stellte diese Ankerpunkte für das Wirken der Österreichischen Ordenskonferenz vor. „Wir wollen die Orden in Zeiten der Umbrüche begleiten“, zählte Sr. Christine Rod als ersten Punkt auf. Es gäbe vor allem in Umbruchszeiten versteckte Gnaden zu entdecken. Ein weiterer Punkt: „Wir wollen Impulse zur Bestärkung des Sendungsauftrages setzen.“ Im vatikanischen Dokument „Vita consecrata“ zum geweihten Leben heiße es: „Macht euer Leben zu einer leidenschaftlichen Christuserwartung.“ Schließlich wolle die Österreichische Ordenskonferenz beitragen, dass Orden in Kirche und Gesellschaft präsent, relevant und wirksam sind.


„Ordensleute bringen sich mit ihrem nachhaltigen Lebensstil und ihrem Engagement für die Ökologie sowie mit der Flüchtlingsarbeit in Gesellschaft und Kirche ein. Ordensleute geben Zeugnis davon, dass eine andere Welt möglich ist“, so Generalsekretärin Christine Rod.