Die österreichische Bischofskonferenz hat auf die aktuelle Entwicklung der Covid-19- Pandemie in Österreich reagiert und in Hinsicht auf die bevorstehenden Feiertage Allerheiligen und Allerseelen verfügt, das traditionelle Totengedenken in modifizierter Form zu vollziehen. Die Bischöfe betonen, dass das Gebet für die Verstorbenen zum Grundbestand des christlichen Lebens gehört. Daher ermutigen sie die Gläubigen, die Gräber zu besuchen, der Verstorbenen zu gedenken zugleich aber Familienzusammenkünfte zu vermeiden.
„Natürlich wird das viele traurig machen - das Ritual der feierlichen Gräbersegnung ist vielen Menschen zu Recht ganz wichtig“, so der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Dr. Michael Prüller in einer Stellungnahme. „Aber schauen wir auch auf all das, was uns bleibt: Es können und sollen auch heuer Gräber gesegnet werden und die die Gräber besucht werden – nur eben nicht gleichzeitig. Die Gottesdienste können, wenn auch mit Maske und Abstand, weitgehend ungehindert gefeiert werden. Das geht alles nur, weil und solange wir die Präventionsmaßnahmen verantwortungsvoll umsetzen.“
Hollabrunn: Segen für Tote und Lebende
In der Pfarre Hollabrunn im Weinviertel zum Beispiel segnen die drei Geistlichen am Allerheiligentag in aller Stille die Gräber am Stadtfriedhof. Die Gläubigen erhalten von der Pfarre ein Faltblatt mit Gebetstexten zum Gebet in der Familie oder auch für den privaten Friedhofsbesuch. Am Allerseelentag abends lädt die Pfarre die Angehörigen der im Lauf des Jahres Verstorbenen zum Gedächtnisgottesdienst mit anschließendem Einzelsegen. Gerade der persönliche Segen für Trauernde, erzählt Pfarrmoderator Eduard Schipfer, ist für viele ein wichtiger Moment der Trauerbewältigung. Heuer wird der Gottesdienst an zwei Standorten gleichzeitig und mit Voranmeldung angeboten.
Jeder Getaufte darf um Segen bitten
Aus der Diözese Graz-Seckau kommt die Idee, in vielen Pfarren Gläubige Weihwasserfläschchen und einen Gebetsvorschlag für die eigene Segnung der Grabstätten. Jeder Gläubige kann um Segen bitten, so Anton Tauschmann, Fachmann für Trauerpastoral der Katholischen Kirche Steiermark. Er betont gleichzeitig, dass heuer dieses Gedenken wichtig sei, da die meisten Verabschiedungen nur im kleinen Kreis stattfinden konnten und das Gedenken für viele Trauernde jenen persönlichen Abschied ermögliche, der im Trauerprozess so bedeutend sei.
Gebetshilfen online
Um den Gläubigen das Gebet für die Verstorbenen in privater Form, ob im Familienkreis oder am Grab zu erleichtern, stellt die Plattform „Netzwerk Gottesdienst“ Texte zur Verfügung zum Download zur Verfügung.
Nacht der Tausend Lichter
In der Wiener Michaelerkirche und an vielen Standorten in ganz Österreich findet am 31. Oktober abends die mittlerweile etablierte „Nacht der 1000 Lichter“ statt. Diese einfache Form des Gottesdienstes nimmt vor allem Bezug auf das Fest Allerheiligen und die vielen oft unbekannten Heiligen im Alltag. Für viele ist es aber auch eine Möglichkeit, durch das Entzünden einer Kerze, ihrer Verstorbenen zu gedenken. Mehr zu dieser Veranstaltung finden sie auf der Webseite
Raum für Trauer│Trauer-Raum
Vom 26. Oktober bis 2. November (täglich zwischen 10.00 und 17.00 Uhr) steht das Gesprächszentrum im Wiener Schottenstift wie schon in den vergangenen Jahren Trauernden offen. „Alles hat Platz im Trauer-Raum: Der Schmerz über den Tod eines geliebten Menschen, eine Trennung, die Sorge nach Beendigung eines Lebensabschnitts, alles was von Angst, Trauer und Verzweiflung geprägt ist, aber auch die dankbare Erinnerung an eine schöne vergangene Zeit“ so Angela Simek-Hall, Leiterin der Gesprächsinsel auf der Wiener Freyung.
Totengedenken im Christentum
Das Gedenken an die Verstorbenen ist in den meisten Religionen fester Bestandteil des persönlichen und gemeinschaftlichen Gebets. Im Christentum hat es besonderen Bezug zum zentralen Glauben die Auferstehung und das ewige Leben. In den liturgischen Gebeten, besonders im eucharistischen Hochgebet, dem Höhepunkt der katholischen Messfeier, wird immer ausdrücklich aller Verstorbenen gedacht.
In der frühen Kirche war das Totengedächtnis auch mit der Fasten- und Osterzeit verbunden, um den Bezug zum Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu zu verdeutlichen. So halten es auch die christlichen Ostkirchen bis heute. Ab dem 10. Jahrhundert wurde in der römisch katholischen Kirche der liturgische Brauch der Reformabtei Cluny in Burgund übernommen und das Fest Allerheiligen auf den 1. November und der Gedenktag Allerseelen auf den Tag darauf verlegt.