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16.11.2020

Wien: Armutsbetroffene feierten ihren Welttag mit dem Kardinal

Segensfeier in der Franziskanerkirche diesmal im Zeichen von Corona. Priester und Mediziner Hochholzer: Kirche soll sich durch Hilfe in der Krise "systemrelevant machen".

Zum vierten Mal seit seiner Ausrufung durch Papst Franziskus ist am Wochenende weltweit der kirchliche "Tag der Armen" gefeiert worden - auch in Wien, wo am Samstagnachmittag rund 120 von Armut Betroffene mit Kardinal Christoph Schönborn Festgottesdienst feierten.

 

In der Franziskanerkirche fand eine bereits zur Tradition gewordene Segensfeier statt, "mit und für in Armut lebende Menschen", wie es vonseiten der Organisatoren hieß. Die Vorbereitung und die liturgischen Dienste wie etwa Lesungen, Ministrieren und Musik übernahmen Armutsbetroffene selbst, als Gäste waren außer ihnen nur ehrenamtliche Helfer zugelassen.

 

Dass ihm die gemeinsame Feier des Welttages ein "großes Anliegen" sei, hätte Kardinal Schönborn nicht betonen müssen: Wie ein Betroffener in Dankesworten hervorhob, habe der Wiener Erzbischof bisher jeden "Tag der Armen" in dieser Gesellschaft gefeiert, ähnlich wie auch Weihnachtsmessen und Wallfahrten mit der Wiener Caritas-Gemeinde. Schönborns Engagement - darunter auch die Einladung von Armutsbetroffenen und Flüchtlingen zur Gründonnerstags-Fußwaschung oder zur Feier seiner runden Geburtstage, der Besuch bei der Wiener Müllabfuhr oder sein Einsatz für Flüchtlinge - werde von den Betroffenen sehr geschätzt und ein regelrechter "Freundeskreis" sei so entstanden, hieß es.

 

"Streck dem Armen deine Hand entgegen": Das diesjährige Welttags-Motto wurde beim Gottesdienst eingangs in Deutsch sowie auch Arabisch, Persisch, Serbisch und Swahili vorgetragen und in einem Theaterstück der Gemeinschaft vom Lamm zum Ausdruck gebracht. Auch in der schwierigen Corona-Zeit müsse man Armen die Hand entgegenstrecken und ihnen zu essen zu geben, verdeutlichte in einem Zeugnis die Leiterin des Wiener Diakonie-Armenwirtshauses "'s Häferl", Elisabeth Guttmann. Ein Gast bei den Ausspeisungen, Harry, erzählte, wie ihm einst die Einladung zur Fußwaschung mit dem Kardinal dabei geholfen habe, wieder auf rechte Bahnen zu kommen und nun selbst in einem Team mit weiteren Armutsbetroffenen anderen zu helfen.

 

Schlupfloch und Bezugsperson

Ermutigende Worte angesichts der Pandemie kamen von Ignaz Hochholzer, Priester und Internist im Wiener Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, dessen Ambulanzen auch nicht versicherte Patienten behandeln. Das Coronavirus gebe Rätsel auf und sei ernst zu nehmen, doch gelte es der Gefahr nicht mit Angst, sondern mit Vorsicht zu begegnen, unterstrich der Mediziner. Neben der Hygiene sei das Zuhausebleiben angebracht, wenngleich diese Regel ohne verfügbarer feste Bleibe "schlimm" sei. "Darum ist für diese Zeit jetzt neben der Schlafstelle auch eine Tagesstätte so wichtig. Jeder soll ein Schlupfloch und ein Schutzschild haben, wo ihn das Virus nicht erreichen kann", so Hochholzer.

 

Neben diesem Fixpunkt seien auch eine Bezugsperson, tragfähige Beziehungen und Gemeinschaften wichtig, denn spätestens wenn im Verdachts- oder sogar Krankheitsfall eine Quarantäne notwendig werde, gelte: "Allein geht es nicht. Wir brauchen einander", betonte der medizinisch bewanderte Geistliche. Er riet zudem zum Vorbeugen - "auf die Gesundheit achten, möglichst nichts Schädliches zu sich nehmen, sondern stattdessen frische Luft, Bewegung und so gut es geht sich gesund ernähren" - und zum "Friedenschließen mit den Menschen und mit Gott, denn immer kann etwas Unerwartetes eintreten, erst recht durch Corona!"

Auch die Kirche sei durch die Pandemie vor enorme Herausforderungen gestellt, betonte Hochholzer. "Auf keinen Fall sollen wir zum Superspreader werden, also nicht das Virus verteilen. Eher schon sollen wir durch Hilfestellung in dieser Krisensituation bedeutsam werden." So werde es gelingen, im Ranking des "Systemrelevanten" neben Supermarkt, Apotheke und Krankenhaus zu bestehen.

 

Umarmung in der Pandemie

Bei dem Gottesdienst, der wie in den Vorjahren mit einem Einzelsegen der Anwesenden endete, erinnerte der frühere Franziskaner-Provinzial P. Anton Bruck an die Szene, bei der sein Ordensgründer Franz von Assisi den Aussätzigen umarmte. Ebenso umarme Jesus auch in der Corona-Pandemie jeden Menschen, erklärte der Ordensmann, der allen Anwesenden Kreuzanhänger überreichte.

Im Anschluss verteilten Ehrenamtliche des Malteser-Hospitaldienstes ein warmes Essen, das aufgrund der Corona-Maßnahmen jedoch stehend verzehrt wurde. Bereits am Vortag hatte es im Rahmen des "Welttags der Armen" die Möglichkeit zur Sozialberatung und Information durch Caritas-Mitarbeiter gegeben.