Die Caritas Wien kämpft seit einem Jahr erfolgreich gegen Einsamkeit - mit dem gemeinsam mit "Magenta" gestarteten Projekt "Plaudernetz". Seit dem ersten Lockdown seien dadurch mehr als 10.000 Telefonate in ganz Österreich angestoßen worden, hieß es in einer ersten Zwischenbilanz der Caritas, am 16. April 2021.
Laut dem Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner hat die Rufnummer 05/1776-100 "Menschen zusammengebracht, die sich noch nie davor gesehen oder gesprochen haben. Sie konnten miteinander plaudern, ihre Sorgen und Ängste loswerden und sich mit jemandem verbunden fühlen."
Die Caritas beobachte schon lange eine Zunahme der Einsamkeit, wies Schwertner hin. Bereits vor der Corona-Krise habe es in Österreich rund 370.000 Menschen gegeben, die niemanden für persönliche Gespräche in ihrem Umfeld haben. Einsam zu sein sei "keine Frage des Alters. Und Einsamkeit macht krank", betonte der Caritasdirektor. Die Pandemie habe das Problem noch zusätzlich verschärft: "Wir alle sind sozial ausgehungert und zunehmend mehr Menschen leiden unter der Isolation." Schwertner ist überzeugt: "Wer jetzt den sozialen Zusammenhalt stärken will, muss Einsamkeit bekämpfen!"
Beim Start des "Plaudernetzes" während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 war auch die "Kronen Zeitung" an der Initiative beteiligt. Die Zusammenarbeit mit dem Telekom-Unternehmen Magenta als technischer Partner hat die Caritas aufgrund des großen Erfolges verlängert, die Stadt Wien steuerte Fördermittel bei. "Es freut mich sehr zu sehen, wie gut das Plaudernetz angenommen wird - sowohl von den freiwilligen PlauderparterInnen als auch von den AnruferInnen", erklärte Magenta-Unternehmenssprecher Peter Schiefer.
Der Modus des Plaudernetzes: Wer das Bedürfnis zum Austausch hat, wählt anonymisiert die Telefonnummer 05/1776-100. Nach Zufallsprinzip werden Gesprächswillige dann mit freiwilligen Gegenüber verbunden, der oder die gerade Zeit hat. Die Zuhörenden haben sich davor auf www.plaudernetz.at registriert - aktuell gibt es 3.410 Plauderpartner.
Klaus Schwertner führte selbst als freiwilliger Plauderpartner schon einige Telefongespräche, wie er mitteilte. "Die psychosozialen Folgen von Ausgangssperren sind groß, wenn persönliche Kontakte wegbrechen." Oft helfe ein einfaches Telefonat schon enorm.
Täglich werden laut Caritas bis zu 100, durchschnittlich halbstündige Gespräche zwischen 12 und 20 Uhr entgegengenommen. Gesprochen werde dabei über Alltägliches, aber auch ernste Themen werden gemeinsam aufgegriffen. Auch Plauderpartnerinnen versichern, dass sie vom Austausch profitieren.
Weil der "Plauderbedarf" bei vielen Menschen während der Pandemie akut ansteige, sucht die Caritas weiterhin "Menschen, die ein offenes Ohr haben". Wer keine Zeit hat, sich als Freiwilliger zu registrieren, aber das Plaudernetz unterstützen will, kann einem gesprächsbedürftigen Menschen eine Stunde Plauderei um 7 Euro schenken (https://wirhelfen.shop/plaudernetz).