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13.05.2021

Kardinal Schönborn: Das Reich Gottes besteht im Vertrauen auf Gott

Kardinal Schönborn gedenkt des Attentats auf Papst Johannes Paul II vor 40 Jahren und äußert bei Messe zu Christi Himmelfahrt Erschütterung über Lage in Israel und Palästina.

An das Schussattentat auf Papst Johannes Paul II.  auf dem Petersplatz vor genau 40 Jahren hat Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag im Wiener Stephansdom zu Beginn des Festgottesdienstes am Hochfest Christi Himmelfahrt  erinnert. Der 13. Mai 1981 sei ihm selbst noch ganz lebhaft in Erinnerung, sagte der Wiener Erzbischof am Beginn der Festmesse zu Christi Himmelfahrt. Der "Akt der Gewalt und des Terrors" gegen den Papst habe damals die ganze Welt erschüttert. Johannes Paul II. habe "mit seinem Zeugnis der Freiheit und des Mutes das große Sowjetimperium zum Zittern gebracht und wesentlich dazu beigetragen, dass es unblutig in sich zusammengebrochen ist", rief Schönborn zum Gedenken an den 2005 verstorbenen Papst aus Polen auf.

Der 13. Mai sei gleichzeitig der Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Fatima 1917, wies der Kardinal hin. "Gedenken wir also dieses großen Papstes und der Muttergottes, der er die Rettung aus diesem Attentat eindeutig zugeschrieben hat", wandte sich Schönborn an die Gläubigen.

 

Friede für das Hl.Land

In seiner Predigt erinnerte der Kardinal an den aktuellen Konflikt im Israel.

Die "schmerzlichen Nachrichten" aus Israel und Palästina seien "erschütternd", so der kardinal wörtlich. "Wie soll man heute nicht an Jerusalem denken? Wann wird dort Frieden sein? Wann wird Frieden sein auf der Welt?". Katholiken feiern 40 Tage nach Ostern zu Christi Himmelfahrt, den "endgültigen Eintritt der menschlichen Natur Jesu in die göttliche Herrlichkeit", wie es der Weltkatechismus beschreibt. Das Geschehen ist in der Bibel beschrieben, sowohl im Lukas-Evangelium als auch in der von Lukas verfassten Apostelgeschichte. Nachdem Jesus mit seinen Jüngern gesprochen hatte, so heißt es dort, "wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken". Kardinal Schönborn erinnerte in seiner Predigt im Stephansdom unter anderem an die Himmelfahrtskapelle auf dem Jerusalemer Ölberg. In dem Gotteshaus, in dem der angebliche letzte Fußabdruck Christi zu sehen ist und das seit osmanischer Zeit unter islamischer Verwaltung steht, darf nur einmal im Jahr, am Fest Christi Himmelfahrt, eine katholische Messe zelebriert werden.

 
Das Reich Gottes ist kein Gottesstaat
Jesus habe seine Jünger lange über das Reich Gottes gelehrt, dennoch hätten sie auch noch zu seiner Himmelfahrt die Vorstellung gehabt, dieses müsse ein sichtbares, irdisches Königreich sein, sagte Schönborn mit Blick auf die biblischen Lesungen zum Sonntag. "Der Traum vom weltlichen Friedensreich, der Traum vom Gottesstaat, hat sich in der Geschichte immer wieder als Albtraum erwiesen", stellte der Kardinal klar. "Nein, Christus hat einen anderen Weg gezeigt. Das Reich Gottes besteht nicht darin, dass es mit weltlicher Macht kommt, sondern es besteht darin, dass der Glaube lebt, dass wir glauben, dass wir vertrauen."
 
Die Kirche wächst durch  das zeugnis des Lebens
Kirche wachse nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung, fügte der Kardinal hinzu. Entscheidend dafür sei nicht Propaganda oder Machtentfaltung, sondern das christliche Leben. "Nur das Leben überzeugt", sagte Schönborn und zitierte die Weisung des Apostels Paulus im Epheserbrief: "Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält."